Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Friedrichshagen blieb am Donnerstag geschlossen.
Foto:  Christian Schulz

BerlinDie Nervenprobe hat begonnen: Wegen eines Infektionsfalls im Lehrerkollegium des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Friedrichshagen wurde die erste Schule geschlossen. Schulleiter Thomas Hähnert hatte von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht, weil eine Lehrerin ihm abends mitgeteilt hatte, dass sie positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick bestätigte der Berliner Zeitung, dass die Schließung der Schule nicht vom Gesundheitsamt angeordnet wurde. „Die Schule wird nun aber geschlossen bleiben, bis die Testergebnisse da sind – wohl frühestens am Freitagmorgen“, sagte eine Sprecherin. Die erkrankte Lehrerin war am Montag noch in der Schule gewesen, weswegen das gesamte Kollegium und eine Klasse, in der sie unterrichtet hatte, getestet wurden.

Bestätigte Infektionsfälle an Schulen gibt es außerdem bislang noch in fünf anderen Berliner Bezirken: Der erste bekannte Fall war ein infiziertes Mitglied des Schulpersonals an der Karl-Weise-Grundschule in Neukölln, dort befinden sich insgesamt elf Erwachsene, aber keine Schüler in Quarantäne. Charlottenburg-Wilmersdorf meldete je einen infizierten Schüler am Heinz-Berggruen-Gymnasium und am Grauen Kloster. In Steglitz-Zehlendorf wurde bei einem Schüler in der Mittelstufe der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule eine Covid-19-Infektion festgestellt.

In Reinickendorf meldeten drei Schulen je einen infizierten Schüler: Die Max-Beckmann-Oberschule, die Gustav-Freytag-Oberschule und das Thomas-Mann-Gymnasium. Am Donnerstagnachmittag wurde außerdem bekannt, dass an der Max-Bill-Schule, einem Oberstufenzentrum in Weißensee, eine Lehrerin positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Neben der Frau sind drei weitere Lehrer und 24 Schüler in Quarantäne. Keine dieser Schulen wurde geschlossen. An den meisten sind vorerst nur die Betroffenen, ihre jeweiligen Klassen oder Lerngruppen sowie einzelne Lehrkräfte in der Quarantäne – einige zwei Wochen lang, andere nur, bis die Testergebnisse da sind.

Ist das Experiment „Vollbetrieb“ also schon nach wenigen Tagen gescheitert? Nein, sagte Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) der Berliner Zeitung: „Wir haben mit solchen Fällen an Schulen gerechnet und sind gut vorbereitet. Die Regel ist, die Lerngruppe und die direkten Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne zu schicken, nicht aber eine ganze Schule zu schließen.“ Bisher habe es kein „Infektionsgeschehen“ in den Schulen selbst gegeben – das heißt, die erkrankten Lehrer und Schüler haben sich woanders angesteckt. Ob sie die Infektion weitergetragen haben, müssen nun die Tests der Kontaktpersonen zeigen.

Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid, in dessen Bezirk drei Schulen betroffen sind, mahnt ebenfalls zur Ruhe. „Wir haben die Situation an den Schulen im Griff. Ich schlafe da ganz ruhig“, sagte Larscheid der Berliner Zeitung. „Wir wissen, dass diese Infektionen nicht an der Schule stattgefunden haben, wir wissen, wer die Indexpersonen sind und können die Kontakte nachvollziehen. Es ist überhaupt nicht so, dass wir an der Schwelle einer unkontrollierbaren Situation stünden.“

Amtsarzt Patrick Larscheid: „Wir haben die Situation im Griff“

„Gerade Kinder stecken sich so gut wie nie untereinander an, das ist einfach eine medizinische Tatsache“, so Larscheid. Die Bedenken des Charité-Virologen Christian Drosten seien ihm natürlich bekannt und eine Gefahr ganz ausschließen könne auch er nicht. „In der Praxis stecken sich Kinder aber vor allem bei ihren Eltern oder großen Geschwistern an, weil in der Familie einfach ein näherer körperlicher Umgang herrscht als in der Schule“, sagte Larscheid. Wenig Verständnis hat Larscheid allerdings für erwachsenes pädagogisches Personal, das sich nicht an die Corona-Regeln hält. Fälle wie in Neukölln, wo nach den Vorbereitungstagen elf Schulangestellte in Quarantäne mussten, brächten ihn zur Verzweiflung.

Larscheid steht hinter dem Vollbetrieb an Schulen – eine Einschätzung, die ihm zufolge auch seine Kollegen aus den anderen Bezirken, mit denen er in regelmäßigem Austausch steht, teilen. Die Spandauer Amtsärztin Gudrun Widders bestätigte das und sagte: „Wir stehen in gutem Kontakt zu den Schulen. Alle Schulleitungen haben von der Senatsschulverwaltung eine Handreichung erhalten, die Schritt für Schritt nachzeichnet, was im Verdachtsfall zu tun ist.“

Die verhindert allerdings nicht immer, dass gleich eine ganze Schule geschlossen wird, wie der Fall des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums zeigt. Schulleiter Hähnert erklärte dieser Zeitung, dass er im Treptow-Köpenicker Gesundheitsamt nach Dienstschluss am Mittwoch niemanden mehr erreicht habe. Auch ein Anruf bei der Corona-Hotline brachte keine Hilfe. Hoffentlich kein weitverbreitetes Problem: In anderen Bezirken haben Schulleitungen von ihren Gesundheitsämtern für solche Fälle Notfall-Handynummern bekommen.

Update: Die Corona-Tests der elf Angestellten der Karl-Weise-Grundschule verliefen negativ. Das teilte die Neuköllner Schulstadträtin Karin Korte (SPD) der Berliner Zeitung am Donnerstag auf Anfrage mit.