„Es geht mir jetzt gut“, sagt Deniz Yücel zu Beginn seines ersten öffentlichen Auftritts seit der Entlassung aus der türkischen Haft. Er wirkt entspannt und gelöst. Im Festsaal Kreuzberg liest der „Welt“-Journalist am Sonnabend aus seinem neuen Buch „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“. 

Vor der Lesung bedankt sich Deniz Yücel noch bei seinen Unterstützern: „Es geht mir gut – nicht nur, weil ich ein Jahr Knast hinter mir habe, sondern auch, weil es viele Menschen gab, die hinter mir standen“, sagt er. „Die Autokorsos für mich waren nicht umsonst. Ob Erdogan sie mitbekommen hat, weiß ich nicht, aber mir hat es gut getan, um der Isolation zu entgehen.“

Eine Gabel als Stift

Dann beginnt Deniz Yücel zu lesen. Es sind Reportagen und Satiren, die er teils mit einer Gabel als Stift und Konservensoße als Tinte während der Haft verfasst hat. „Du findest immer einen Weg,“ sagt Yücel. „Hauptsache, man ergibt sich nicht.“ 

Der Abend unter dem Motto „Auf die Freiheit“ wurde von der Initiative #FreeDeniz organisiert, in der sich Freunde und Unterstützer für Yücels Haftentlassung eingesetzt hatten. 

Deniz Yücel hatte mehr als ein Jahr lang in der Nähe von Istanbul in Untersuchungshaft gesessen, ohne dass eine Anklage vorlag. Er wurde im Februar aus der Haft entlassen, gleichzeitig wurde jedoch Anklage gegen ihn erhoben. Die Türkei wirft Yücel „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ vor. Ihm drohen zwischen 4 und 18 Jahren Haft. (BLZ/dpa)