Berlin - Insgesamt 2026 Hieb- und Stichwaffen sowie 144 andere Waffen wurden im vergangenen Jahr bei den Einlasskontrollen am Justizcampus Moabit sichergestellt – dazu gehören das Kriminalgericht, das Amtsgericht Tiergarten, das Verwaltungsgericht, die Staatsanwaltschaft und die Amtsanwaltschaft. Hinzu kommen fast 7000 andere als gefährlich eingestufte Gegenstände, die nicht mit in die Gerichte mitgenommen werden dürfen. Das teilte die Justizverwaltung auf Anfrage mit.

Großer Anstieg in Neukölln

Bis Ende 2017 wurde die Zahl der sichergestellten Waffen immer nur geschätzt, weil es einfach so viele waren. Die Schätzung ging von 7500 Waffen und gefährlichen Gegenstände pro Jahr aus.

Erstmals liegen der Justizverwaltung nun genaue Fundzahlen einzelner, wenn auch nicht aller Gerichte in Berlin vor. Sie sind Bestandteil des in den vergangenen zwei Jahren erarbeiteten Sicherheitsrahmenkonzepts für die Berliner Justiz. Das Konzept soll dazu führen, die Bediensteten der Justiz ,aber auch Besucher von Gerichten künftig besser zu schützen. 

Auffallend ist in der neuen Statistik, die der Berliner Zeitung vorliegt, ein Anstieg von aufgefundenen Waffen und gefährlichen Gegenständen bei fast allen aufgeführten Amtsgerichten. So wurde in Neukölln erst Ende Mai 2017 mit der detaillierten Aufstellung der Funde begonnen, die den Besuchern der Gerichte am Eingang abgenommen wurden. 388 Messer entdeckten die Bediensteten am Einlass in den letzten sieben Monaten des Jahres. Im gesamten Jahr 2018 waren es 766 Messer. Die Zahl aller Waffen und gefährlichen Gegenstände am Amtsgericht Neukölln summierte sich von Ende Mai bis zum Jahresende 2017 auf 826, im gesamten vorigen Jahr waren es insgesamt 2423 Funde.

„Diese Zahlen erschrecken mich immer wieder aufs Neue“

Auch bei den in dem Papier aufgeführten Familiengerichten in Berlin – den Amtsgerichten Tempelhof-Kreuzberg und Pankow/Weißensee – ist ein Anstieg der Zahl aufgefundener gefährlicher Gegenstände zu verzeichnen. So wurden 2017 im Amtsgericht Pankow/Weißensee 241 Messer sowie 462 andere gefährliche Gegenstände registriert, im Jahr darauf waren es 481 Messer und 3009 gefährliche Gegenstände. Allerdings verweisen die Verfasser der Statistik darauf, dass der Anstieg der Funde bei diesem Amtsgericht auf eine restriktivere Kontrolle beim Einlass zurückzuführen sei.

„Diese Zahlen erschrecken mich immer wieder aufs Neue. Verdeutlichen sie doch, wie viele Menschen in Berlin mit Waffen unterwegs sind“, sagt Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) zu den neuen Zahlen. Deswegen sei auch das Sicherheitsrahmenkonzept für die Justiz erarbeitet worden. Behrendt sagt, er sehe es als seine Pflicht an, den Kollegen in den Gerichten den notwendigen Schutz zu geben.