Erstochene Künstlerin: SEK nahm in Berlin einen Unschuldigen fest

Berlin - Bei der Fahndung nach dem mittlerweile gefassten mutmaßlichen Mörder der Kreuzberger Künstlerin Ewa K. kam auch ein Spezialeinsatzkommando der Berliner Polizei zum Einsatz. In der Nacht zu Montag stürmte die Eliteeinheit die Wohnung eines Tatverdächtigen, der Mann wurde überwältigt. Zunächst sah alles nach einem schnellen Fahndungserfolg aus. Bis sich nach etwa einer Stunde herausstellte: Der Festgenommene hat nichts mit dem Mord zu tun und ist unbescholten. Wie kam es zu der Verwechslung?

Nach dem Mord an der 41-jährigen Künstlerin Ewa Kowska in der Kreuzberger Pücklerstraße konnten die Beamten der Mordkommission in einem Spätkauf ein Überwachungsvideo sichern. Darauf war das spätere Mordopfer in Begleitung eines Mannes zu sehen, nur Stunden bevor sie getötet wurde. Die Polizei veröffentlichte das Videomaterial und löste eine Öffentlichkeitsfahndung aus.

Grauhaariger Brillenträger um die 50 Jahre aus Belgien

Gesucht wurde demnach ein grauhaariger Brillenträger um die 50 Jahre, der aus Belgien stammt. Eine Beschreibung, die nicht nur auf den jetzt in Untersuchungshaft sitzenden Franky S. zutrifft – sondern auch auf seinen Namensvetter Franky van S.

Er habe „den Fahndungsaufruf am Sonntag im Internet gesehen und gedacht: Das könnte ja ich sein“, sagt der Mann. Als er wenige Stunden später mit gefesselten Händen auf dem Bauch auf dem Boden lag, sei ihm allerdings nicht mehr nach Lachen zumute gewesen. Grundsätzlich mache die Polizei „nur ihre Arbeit“, sagte der 51-Jährige weiter. Aber an diesem Tag hätten die Beamten „einen wirklich schlechten Job gemacht.“ Aufgrund der erlittenen Verletzungen ist Franky van S. seit dem Einsatz krankgeschrieben. Jetzt denkt der Mann darüber nach, sich einen Anwalt zu nehmen.

Die Polizei teilte gestern mit, man bedauere den Fehler. Die Kosten für die Reparatur der entstandenen Schäden werde die Stadt übernehmen, hieß es.