Berlin - Als Mukhtar Lecheheb seinen besten Freund zum letzten Mal sah, schlief er. Es war spät geworden am Abend zuvor. Der Freund hatte Geburtstag, den einunddreißigsten, sie hatten zusammen Bier getrunken und Musik gehört. Es war ein lustiger Abend in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Sie vergaßen die Zeit, und Lecheheb verpasste den letzten Bus nach Hause. Als sie schlafen gingen, gab ihm der Freund ein Kissen und deckte ihn zu. „Wie eine Mutter“, sagt Lecheheb. Am nächsten Morgen schlich er hinaus, ohne sich zu verabschieden. Er wollte den Freund nicht wecken.

Drei Tage später war Anwar R. tot, erstochen von einem anderen Bewohner der Schule, es hatte Streit um die Dusche gegeben, die einzige für die mehr als 200 Flüchtlinge, Roma und Obdachlose, die seit Monaten in dem heruntergekommenen Schulgebäude leben. Anwar R.s Tod wurde zu einem Symbol für das Versagen von Senat und Bezirk, die seit Monaten um die Zustände in der Schule wussten. Und trotzdem nichts dagegen taten.

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