Erweitertes Angebot: Flixtrain fährt bald täglich zwischen Berlin und Stuttgart

Die Deutsche Bahn (DB) bekommt weitere Konkurrenz. Der private Fernzuganbieter Flixtrain stockt sein Angebot zwischen Berlin und Stuttgart auf – „früher als zunächst geplant“, wie Firmensprecher David Krebs mitteilte. Das erste Zugpaar auf dieser Strecke, das bislang nicht an allen Tagen verkehrt, fährt vom 12. Juni an täglich. Am 21. Juni kommt ein zweites Zugpaar dazu. Im Dezember gehen neue Flixtrain-Routen in Betrieb: von Berlin nach Köln sowie nach München.

Mit der Aufstockung reagiert das Unternehmen, das wie der Fernbusbetreiber Flixbus zu Flixmobility gehört, auf die gute Resonanz der Kundschaft. „Wir freuen uns seit dem Start der Flixtrain-Verbindungen über eine sehr hohe Nachfrage – teilweise ausgebuchte Fahrten und eine durchschnittliche Auslastung zwischen 50 und 70 Prozent“, sagte Krebs. „Besonders beliebt ist die Relation Berlin–Frankfurt am Main.“

Fenster lassen sich öffnen

Der zusätzliche Zug wird donnerstags bis montags um 6.29 Uhr in Berlin-Lichtenberg abfahren. Nächster Halt ist das Ostkreuz, das damit im Fernverkehr an Bedeutung gewinnt. Stopps gibt es auch im Ostbahnhof, im Hauptbahnhof sowie am Zoo.
Über Hannover Messe/Laatzen, Frankfurt (Main) Süd und Heidelberg führt die Reise nach Stuttgart, das laut Plan um 13.32 Uhr erreicht wird. Von dort geht es um 14.12 Uhr nach Berlin zurück. Das neue Angebot ergänzt den bestehenden Flixtrain, der am Nachmittag in Berlin startet und am Morgen zurückfährt. 

Ein Preisbeispiel: Für den 21. Juni bietet Flixtrain Fahrkarten für 9,99 und 19,99 Euro an. Die Bahn offeriert Sparpreise für 29,90 und 37,90 Euro, ebenfalls für die einfache Fahrt. Doch nicht nur der Preis unterscheidet die Wettbewerber. Der Intercity Express (ICE) ist schneller – auf der Gesamtstrecke fast anderthalb Stunden. Im ICE können Sitzplätze reserviert werden – das ist im Flixtrain erst in den nächsten Monaten möglich.

Abteilwagen aus den Siebzigern

Dafür haben die privaten Züge Fahrradstellplätze – anders als die durchgehenden ICE zwischen Berlin und Stuttgart. Der ICE hat eine Klimaanlage – im Flixtrain können die Reisenden Fenster öffnen und sich den Wind um die Nase wehen lassen. 

Zur Flotte gehören Abteilwagen, die in den 1970er-Jahren für die Bundesbahn gebaut und 2016 in Rumänien renoviert wurden. In den Sechser-Abteilen sorgen „viel Beinfreiheit und dicke Polstersitze für reichlich Komfort“, so Krebs. Auch Interregio-Wagen aus den 1990er-Jahren sind im Einsatz, von der Firma Heros wurden weitere Exemplare gemietet.

9500-PS-Lok an der Spitze

Ebenfalls im Angebot: Snacks, Getränke, Gratis-WLAN und Steckdosen – zum Teil mit einer „mobilen Übergangslösung“, ab 2019 in allen Wagen fest installiert, wie es hieß. Flixtrain verkauft die Fahrkarten. Für den Zugbetrieb ist der deutsche Ableger des tschechischen Bahnunternehmens Leo Express verantwortlich. Siemens-Elektroloks vom Typ Taurus mit 9 500 PS ziehen die Züge.

Bislang gab es im Fernverkehr kaum private Konkurrenz für die DB, was an den hohen Entgelten für die Nutzung von Strecken und Stationen liegt. Die Interconnex-Züge wurden eingestellt, der Hamburg-Köln-Express schwächelte. Das Berliner Unternehmen Locomore, das den Vorgänger des ersten Flixtrains aufs Gleis setzte, meldete Insolvenz an. 

Weitere Verbindungen geplant

Flixtrain hat bessere Voraussetzungen, im Wettbewerb zu bestehen. Hinter dem Unternehmen stehen Investoren wie General Atlantic, Holtzbrinck Ventures und Daimler. Positiv wirkt sich auch die Vernetzung mit Flixbus aus, Anschlusstickets führen weitere Kundschaft zu. 

Locomore hatte ein weiteres Zugpaar geplant: gegen 15 Uhr in rund fünf Stunden von Berlin über Hannover und Essen nach Köln, kurz nach 8 Uhr zurück. Jetzt hat Flixtrain bei DB Netz eine Trassenanmeldung eingereicht, im Juli wird entschieden. Ebenfalls vom 9. Dezember an will Flixtrain von Berlin über die neue Schnellstrecke nach Nürnberg und weiter nach München fahren – ebenfalls in knapp fünf Stunden. Wer die neuen Züge für Flixtrain betreibt und welche Wagen eingesetzt werden, steht aber noch nicht fest, hieß es. Auch Details zur Fahrzeit und zu den Verkehrstagen stehen noch aus.