Hier fand schon die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ statt, hier treffen sich CDU, SPD und FDP zu Parteitagen, und hier treten regelmäßig die Doppelgänger berühmter Sänger in der Show „Stars in Concert“ auf. Das Hotel Estrel an der Neuköllner Sonnenallee/Ecke Ziegrastraße bietet seit Jahren nicht nur Zimmer an, sondern zugleich Flächen für Veranstaltungen aller Art. Im nächsten Jahr kommen in einem Erweiterungsbau zu den vorhandenen 15 000 Quadratmetern weitere 10 000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche dazu.

„Wir sehen uns in der Zukunft auch als Messeveranstalter“, sagte Hotel-Eigentümer Ekkehard Streletzki am Donnerstag bei der Vorstellung der Pläne. Als Konkurrenz zur Messe Berlin, die die Ausstellungshallen unterm Funkturm betreibt, sieht sich das Estrel aber nicht. Die zusätzlichen Flächen seien eine Ergänzung zu den Angeboten der Messe, betonte Hotel-Direktorin Ute Jacobs. Bei der Präsentation der Pläne blendete das Hotel allerdings einen Vergleich zwischen den Veranstaltungsflächen des künftigen „Estrel Congress & Messe Centers“ mit dem gerade eröffneten City Cube der Messe Berlin ein, nach dem das Estrel deutlich besser abschneidet. Während der City Cube eine Gesamtnutzfläche von 22 000 Quadratmetern hat, kommt das Estrel mit der Erweiterung auf 3 000 Quadratmeter mehr. Zudem bietet der größte Raum im City Cube Platz für 5 000 Personen, in den größten Raum des Estrels passen hingegen 5 400 Personen.

Die Messe Berlin sieht den Ausbau im Estrel gelassen. Eine solche Ergänzung der Messe- und Kongressflächen sei wichtig, „damit der Stadt keine Veranstaltungen verloren gehen“, sagte Messesprecher Michael T. Hofer. Ähnlich sieht es der Chef der Tourismus-Gesellschaft Visit Berlin, Burkhard Kieker. Berlin könne es sich nicht leisten zu sagen, dass es keinen Platz gebe, sagte er. Deswegen freue er sich, dass beim Estrel weitere Veranstaltungsflächen geschaffen werden.

Das Estrel will laut Streletzki das Geschäft mit Spezialmessen ausbauen. Bei Veranstaltungen wie der Sportartikelmesse ISPO in München würden sich Hersteller wie Adidas oder Puma auf großen Flächen präsentieren. Sie würden ihre Produkte aber auch gerne im kleinen Kreis zeigen – da sehe das Estrel seine Chance, sagte Streletzki. Das Estrel investiert in die Erweiterung insgesamt rund 30 Millionen Euro.

Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) freut sich darüber, dass die Musik im Kongress- und Messegeschäft nun auch in seinem Bezirk spiele. „Das ist fast schon der Punkt auf dem I“, sagte Buschkowsky. Vollendet sieht der Bezirksbürgermeister das Werk allerdings erst, wenn auch das von Streletzki geplante 175 Meter hohe Hochhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Sonnenallee steht. Wie berichtet, will das Estrel den Turm, der das höchste Haus Berlins werden soll, nach Plänen des Architekturbüros Barkow Leibinger errichten. Der Baubeginn verzögert sich jedoch etwas. Während Streletzki bei der Vorstellung der Pläne im Februar noch hoffte, dass er Ende dieses Jahres Baurecht haben würde, geht er jetzt davon aus, dass dies bis Mitte nächsten Jahres dauert. Mitte 2016 könnte dann der Bau beginnen. Zwei Jahre soll er dauern.