Berlin - So manche Erfindung ist ziemlich hässlich, aber praktisch. Schuhe mit Klettverschluss, das Dixi-Klo, Baumärkte. Und wer sich in Asien mal auf einem wunderschönen handgeschnitzten Holzstuhl mit kerzengerader Lehne den Rücken zerschunden hat, verliebt sich sofort in einen Monobloc. Das sind Plastikstühle, die aus einem Stück gegossen sind. Ziemlich hässlich, aber wunderbar bequem.

Recht hässlich sind auch die grünen Säcke, die in diesem Sommer in Mode gekommen sind. Sie sind ungeheuer praktisch, quasi die Rettung für Stadtbäume nach drei Dürresommern in Folge. Die Kunststoffsäcke werden um den Baumstamm gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen, sodass sie aussehen wie ein dicker Kropf am Fuße des Baumes. Der Sack wird mit ein paar Eimern Wasser gefüllt, das langsam durch winzige Löcher in den Boden sickert und so den Baum versorgt.

Im Norden von Friedrichshain wurden sicher 100 dieser Säcke angebracht. Tolle Idee. Denn ein neu gepflanzter Stadtbaum schlägt mit bis zu 1000 Euro zu Buche. Doch gerade bei Trockenheit müssen sie bis zu 15 Jahre gewässert werden, bis ihre Wurzeln tief genug in den Boden reichen. Damit nicht ständig gegossen werden muss, helfen die Wassersäcke. Doch die sind seit Wochen fast alle leer. Nur einer ist prall gefüllt. Da hatte sich wohl ein Nachbar erbarmt.

Es ist schon irre, dass ganz viel Geld ausgeben wird, um neue Bäume zu pflanzen. Dann ist aber offenbar nicht genug Geld da, um Leute zum Gießen vorbeizuschicken. Also wird neues Geld für die Säcke ausgegeben. Ein stabiles Exemplar kostet schon mal 20 Euro. Dann aber wird das Wichtigste vergessen: das Wasser. Ein Liter davon kostet in Berlin 0,5 Cent.

Und so tragen sehr viele Stadtbäume in Norden von Friedrichshain zwar diese hässlichen, aber wirklich sehr praktischen Bauchkrausen. Trotzdem lassen sie nun schon seit längerem ihre Blätter hängen. Das Grün ist oft längst gelb. Denn ihnen wird das lebensrettende Nass vorenthalten. All die vielen Wassersäcke sind derzeit nur leere Luftsäcke.