Am ersten Oktober-Wochenende 2019 war der Mittelteil der Friedrichstraße bereits autofrei.
Foto: Bernd Friedel

BerlinIst es zulässig, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen? Diese Frage stellt sich, wenn man den Streit um die Friedrichstraße betrachtet. Um die darbende Einkaufsmeile attraktiver zu machen, wollen Senat und Bezirk einen Teil fünf Monate lang testweise vom Autoverkehr befreien. Gewerbetreibende fühlen sich bevormundet. Sie pochen auf die Zusage, erst die Potenziale der Straße zu analysieren und dann Maßnahmen festzulegen.

Der Streit zeigt, wie schwierig es sein kann, die Verkehrswende unter den Bedingungen einer Demokratie voranzutreiben. Auf der einen Seite stehen Politiker und Aktivisten, die das Auto zurückdrängen wollen – im Interesse des Klimaschutzes und der Lebensqualität. Auf der anderen Seite steht eine meist größere Anzahl von Bürgern, die das nicht unterstützen – weil sie nicht auf das Auto verzichten können oder wollen und keine Lust auf Rad fahren oder die U-Bahn haben.

Um die festgefahrenen Fronten in Bewegung zu bringen, sind Tests ein gutes Mittel. Zunehmend fraglich ist aber, ob die Friedrichstraße der richtige Schauplatz für ein so lange dauerndes Reallabor ist. Zum einen leben dort kaum Menschen, die als Anwohner profitieren würden. Zum anderen krankt die Straße nicht vorrangig am Verkehr. Problematisch ist vielmehr, dass sie im Mittelteil Berlinern, die keine hochpreisige Waren kaufen wollen, kaum Anziehungspunkte bietet. Deshalb besteht die Sorge, dass die Fußgängerzone oft leer bleiben dürfte.  

So ein Exempel wäre fatal für jene, die sich anderswo zu Recht weniger Verkehr wünschen. Planer sollten darüber nachdenken, ob sie ihre Arbeitskraft nicht sinnvolleren Projekten widmen sollten – wie einem autofreien Hackeschen Markt