Die Energiepreise und ihre Folgen: Jetzt muss geholfen werden!

Während die Berliner Industrie Rekordwachstum vermeldet, spricht die Wirtschaftslobby der Hauptstadt von Betriebsschließungen. Was ist da los?

Solarien: energieintensiv und teuer.
Solarien: energieintensiv und teuer.Imago Images

Ja, was denn nun? Da hatte die landeseigene Investitionsbank Berlin der Stadt noch am Wochenende anhaltend überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum attestiert und für dieses Jahr ein Plus von 2,3 Prozent vorausgesagt, während die deutsche Wirtschaft um nur noch 1,4 Prozent wachsen wird. Am Montag bescheinigte dann das Statistische Landesamt der Berliner Industrie ein Rekordwachstum. Allein im August waren demnach die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe der Stadt im Vorjahresvergleich um 76 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro gewachsen. 3,6 Milliarden! Nie zuvor hatten die Statistiker einen Betrag in dieser Höhe ausgewiesen. Und schon einen Tag später schlägt die Berliner Wirtschaft Alarm. Nun ist von Produktionsaufgabe die Rede.

Die hiesige Industrie- und Handelskammer hatte ihre Mitglieder befragt und erfahren, dass man die Lage vor allem in den Industriebetrieben und im Handel mehr als düster bewertet. Demnach will fast jedes dritte Handelsunternehmen seine Angebote reduzieren und jeder fünfte Industriebetrieb die Produktion in Berlin drosseln. Gut sieben Prozent der Berliner Industriebetriebe sehen sich nach eigenen Angaben sogar gezwungen, die Produktion zu verlagern. Kehrtwende binnen drei Tagen?

Nein, keine Wende, sondern logische Folge. Denn in jedem Fall sind vor allem die Energiepreise die Ursache. Sie lagen im September in Berlin um mehr als 36 Prozent über dem Vorjahresniveau und ließen die Umsätze in der Industrie der Stadt in die Höhe schießen, während die Auftragseingänge dort tatsächlich eher zu wünschen übrig lassen. Zugleich bringen die Preise die Unternehmen mit unerwartet hohen Kosten und mitunter bereits verlorener Kreditwürdigkeit in Gefahr. Klar, Energiesparen hilft. Den meisten muss allerdings geholfen werden. Allen sicher nicht.