Da sich die Zahl der Fahrradfahrerinnen und -fahrer mit schönem Wetter und steigenden Temperaturen traditionell merklich erhöht, lohnt mal wieder die Betrachtung einer besonderen Spezies: der Poleposition-Starter. Poleposition ist ein Begriff, der eigentlich vom Pferderennen kommt, aber heute durch den Motorsport bekannt ist. Es ist beim Rennen der Platz in der ersten Startreihe.

Der verschafft einige Vorteile, weil man als Erster vom Fleck kommt und nicht von lästigen Vorderleuten abhängig ist. Wer von der Poleposition startet, kann auf den ersten Metern nicht durch langsamere Fahrer behindert werden. Gestartet wird nach einem Ampelsignal.

Sie wollen die Ersten sein

Womit wir im Großstadtgehege angekommen sind. Auch hier hängt der Start von einer Ampel ab, doch einen wesentlichen Unterschied gibt es: Während im Motorsport gewöhnlich die tatsächlich schnellsten Teilnehmer in der ersten Startreihe ausharren, die sich diesen Platz noch dazu durch vorhergehende Leistungen verdient haben, sind es an der städtischen Kreuzung sehr häufig ausgerechnet die langsamen.

Es gibt kaum eine rote Ampelphase, in der fein aufgereiht mehrere Räder hintereinander warten, ohne dass sich von hinten eine Radfahrerin oder ein E-Roller-Fahrer an ihnen vorbeimogelt, bis ganz nach vorne an den Haltestreifen oder darüber hinaus.

Sie wollen die Ersten sein, sobald die Ampel auf Grün springt. Es sind aber eben jene Mitmenschen, deren Lenker beim Anfahren unsicher hin- und herschlenkern, die vergessen haben, rechtzeitig in einen niedrigen Gang zu schalten, oder sich gerne ablenken lassen und erst mal stehen bleiben.

Meist haben also nachfolgende Radfahrer – selbst jene, die es nicht eilig haben und sehr entspannt in die Pedale treten – die Starter aus der Poleposition nach wenigen Metern eingeholt und kleben ihnen am Hinterrad.

Die Herausforderung, langsame Radler zu überholen

Man sieht sich nun vor die Herausforderung gestellt, sie überholen zu müssen. Weil das nicht überall möglich ist, halten sie folglich alle auf, an denen sie eben an der Ampel vorbeigerollt sind. Wenn das mit dem Überholen dann doch geklappt hat, kann man darauf wetten, dass die nächste rote Ampel ein Déjà-vu bereithält und alles von vorne beginnt.

Besagte Spezies ist übrigens auch nicht geübt darin, möglichst weit rechts zu fahren, um für schnellere Radler Platz zu schaffen, obwohl viele der neueren Radwege den inzwischen dankenswerterweise bieten. Mittig zu fahren, ist nachvollziehbar, wenn man durchs Rechtsfahren Gefahr läuft, von einer sich öffnenden Autotür getroffen zu werden. Bei ausreichenden Abständen dagegen spricht das Verhalten der Poleposition-Starter eher gegen ein ausgeprägtes Bewusstsein für ihre Umwelt.