Wenn das Kind krank ist, bleibt in der Regel die Mutter zu Hause, um es zu betreuen. Nicht der Vater.
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BerlinEs sind die Frauen, die die Familien durch die Krise bringen: Im öffentlichen Dienst Berlins fallen Frauen deutlich häufiger aus als Männer, weil sie sich um kranke Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. Das ergibt sich aus Statistiken, die der Senat bekannt machte.

2019 war jeder der knapp 123.000 Beschäftigten in Senats- und Bezirksverwaltungen durchschnittlich 1,2 Kalendertage wegen „Beaufsichtigung, Betreuung und Pflege eines erkrankten Familienangehörigen“ nicht am Arbeitsplatz. Bei den Frauen, die mit über 72.000 die Mehrheit der Angestellten und Beamten ausmachen, waren es 1,7 Kalendertage, bei den Männern nur 0,6 Tage. 2015 war der Wert bei den Männern gleich, bei den Frauen aber mit 2,2 Tagen noch deutlich höher. Interessanterweise waren die Ausfälle unter den Senatsverwaltungen („Hauptverwaltungen“) im Ressort Gesundheit, Pflege und Gleichstellung von Dilek Kalayci (SPD) mit 3,3 Tagen am höchsten (Frauen: 4,5): Bei den 239 Mitarbeitern fielen 2019 insgesamt 1069 Arbeitstage für Pflege und Betreuung weg, bei den 86 Männern nur drei.

Mehr Gleichberechtigung scheint in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz von Regine Günther (Grüne) zu herrschen: Insgesamt und bei Männern und Frauen gleich mussten die Beschäftigten 2019 im Schnitt nur einen halben Tag der Arbeit fernbleiben. Bei den Bezirken mit insgesamt knapp 24.000 Mitarbeitern (darunter 15.600 Frauen) fallen Steglitz-Zehlendorf (Frauen-Fehltage: 3, Männer: 0,7) und Lichtenberg (Frauen-Fehltage: 0,7, Männer: 0,4) gelinde aus dem Rahmen, wie die Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Marcel Luthe (FDP) zeigt.

Warum die Frauen öfter wegen der Betreuung von Kindern und Angehörigen nicht zur Arbeit gehen können, geht aus den Statistiken nicht hervor. Frank Becker, Landesvorsitzender von „dbb Beamtenbund und Tarifunion“, die über eine Reihe von Fachgewerkschaften Mitarbeiter des Öffentlichen Dienst vertritt, hat jedoch eine plausible Erklärung: „Es ist stark anzunehmen, dass Frauen unter anderem deshalb öfter zu Hause bleiben, weil es mehr alleinerziehende Mütter als Väter gibt.“ Ein anderer Grund könnte die klassische Rollenverteilung sein, die sich auch im Übergewicht der Frauen bei den Pflegeberufen spiegelt.

Das alles deckt sich mit einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Diensts der AOK, nach der es die meisten Auszahlungsfälle von Kinderpflegekrankengeld bei Frauen in den Altersgruppen gibt, in denen sie kleinere Kinder haben.

Feuerwehr hat die meisten Krankentage

Bei der durchschnittlichen Zahl von Kalendertagen, die Mitarbeiter des Berliner Öffentlichen Diensts insgesamt krankheitsbedingt ausfallen, pendelt der Wert zwischen 2015 und 2019 um 37,5. Besonders hoch war er 2019 bei der Feuerwehr mit 52,5 Tagen, was allerdings acht Tage weniger als im Rekordjahr 2018 waren. Bei der Polizei gab es 2019 genau 48 Tage Ausfall pro Kopf, was mit geringen Abweichungen den Werten der Jahre davor entspricht.

Auffällig ist, dass die Mitarbeiter der Bezirksämter 2019 mit fast 41 Tagen länger krankheitsbedingt ausfielen als die Kollegen der Hauptverwaltungen (36,4 Tage). Hier nimmt Gewerkschafter Becker an, dass es an der Altersstruktur liegt, und dass Mitarbeiter in den Bezirksämtern mehr Kontakt zu den Bürgern haben, was auch jenseits von Corona eher zu Ansteckungen führt.

Er verlangt deshalb auch eine strategische Personalentwicklung in Berlins Verwaltung, weil in den nächsten acht Jahren ein Drittel der Leute in Rente und Pension gingen. Werde da nicht gegengesteuert, wachse bei weniger Personal die Belastung für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Die Folgen von Corona

Die Corona-Pandemie hat von März bis Mai 2020 dazu geführt, dass in den Haupt- und Bezirksverwaltungen Mitarbeiter insgesamt 7709 Tage wegen Quarantäne abwesend waren. Betroffen waren im März 361, im April 385 und im Mai 83 Beschäftigte, wobei es Überschneidungen gibt, also jemand in zwei Monaten gezählt wurde.

Bei der Polizei wurden 2266 Abwesenheits-Kalendertage gezählt, bei der Feuerwehr 2392 Tage, zusammen also mehr als die Hälfte aller Abwesenheiten, was bei diesen Berufsbildern nicht verwundert. In der Spitze waren im April 138 Polizei- und 139 Feuerwehr-Mitarbeiter in Quarantäne.