Es war einmal ein S-Bahn-Projekt: S2 wird nicht nach Rangsdorf verlängert

Pendler wünschen sich die S-Bahn-Verbindung zurück. Gutachter halten das Bauvorhaben jedoch für unwirtschaftlich. Nun zieht Brandenburg den Stecker.

Ein S-Bahn-Zug der Linie S2 unterwegs nach Lichtenrade. Früher fuhr die S-Bahn über den heutigen Endpunkt Lichtenrade hinaus weiter nach Rangsdorf – bis nach dem Mauerbau 1961.
Ein S-Bahn-Zug der Linie S2 unterwegs nach Lichtenrade. Früher fuhr die S-Bahn über den heutigen Endpunkt Lichtenrade hinaus weiter nach Rangsdorf – bis nach dem Mauerbau 1961.Berliner Zeitung/Sabine Gudath

Von 1940 bis nach dem Mauerbau 1961 fuhren S-Bahnen nach Rangsdorf südlich von Berlin. Heute wünschen sich viele Bürger aus dem Landkreis Teltow-Fläming die Gleichstromzüge zurück. Doch jetzt hat Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) bestätigt, was sich schon abgezeichnet hat. Das Vorhaben, die S-Bahn-Linie S2 über Blankenfelde hinaus nach Rangsdorf zu verlängern, wird aufgegeben.

„Das Projekt wird nicht weiterverfolgt“, sagte Beermann in Berlin. Darauf habe sich der Lenkungskreis i2030, der sich mit dem Ausbau der Schieneninfrastruktur in Berlin und Brandenburg befasst, geeinigt. Zuvor sei das Thema ausführlich besprochen worden.

S-Bahn-Verlängerung würde volkswirtschaftlichen Schaden anrichten

Die Entscheidung geht auf eine Nutzen-Kosten-Untersuchung zurück, die das Projekt als unwirtschaftlich eingestuft habe. Wie berichtet hat die Prüfung ergeben, dass die Aufwendungen den Nutzen deutlich übersteigen würden. Das ist daran abzulesen, dass der Quotient mit –0,44 negativ ist. „Wenn man es ironisch formuliert, müsste man sagen, dass dieses Projekt einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten würde“, erläuterte der Minister. Damit ein Verkehrsprojekt vom Bund als förderfähig angesehen wird, muss das Verhältnis positiv sein und mindestens den Wert von 1,0 erreichen.

Im Juni 2018 hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke viel Beifall bekommen, als er bei einer Versammlung im Turbinenwerk von Rolls Royce in Dahlewitz angekündigt hatte, dass wieder S-Bahnen nach Rangsdorf fahren sollen. Dahlewitz würde einen S-Bahn-Haltepunkt bekommen. Nicht nur in dem Unternehmen, auch in der von 11.500 Menschen bewohnten Gemeinde Rangsdorf und dem Deutschen Bahnkundenverband kam Woidkes Ankündigung gut an. „Alle Beteiligten wollen die S-Bahn nach Rangsdorf“, hat die Fahrgastlobby erst kürzlich wieder bekräftigt.

Anders als früher fahren Regionalzüge häufig nach Berlin

Doch die vom Land Brandenburg in Auftrag gegebene Nutzen-Kosten-Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass dieses Verkehrsprojekt nicht förderfähig wäre. Zwar würde die 4,7 Kilometer lange Verbindung zum Teil Reisezeiten senken und Fahrgästen anderweitig nützen, heißt es. Doch die Kosten des S-Bahn-Betriebs, errechnet wurden mehr als 2,1 Millionen Euro pro Jahr, und andere Faktoren führten dazu, dass die Summe der Nutzenbeiträge mit einem Saldo von minus 1,7 Millionen Euro pro Jahr negativ wäre. Dem stünden die hohen Kosten für den Kapitaldienst von knapp 3,8 Millionen Euro pro Jahr gegenüber, so die Gutachter.

Die Aufwendungen für die Planung und die Investitionen werden mit 107 Millionen Euro beziffert. Zwei zusätzliche Vier-Wagen-Züge der S-Bahn wären erforderlich. Vor allem aber hielte sich der Fahrgastzuwachs in Grenzen, weil es anders als früher schnelle und häufige Regionalexpressverbindungen nach Berlin gibt. Die Verkehrssituation sei anders als vor rund acht Jahrzehnten, als erstmals S-Bahnen nach Rangsdorf fuhren, hieß es.

Bahnstrecke wird von April bis November 2023 gesperrt

„Es ist wichtig, dass der Regionalzugverkehr nach Rangsdorf erhalten bleibt und verstärkt wird“, sagte Minister Beermann. Zunächst einmal müssen sich die Pendler und die übrigen Fahrgäste aber mit Verschlechterungen abfinden. Wer von Rangsdorf über den BER nach Berlin reist, ist vom Fahrplanwechsel am 11. Dezember an rund zehn Minuten länger unterwegs. Wegen Bauarbeiten an der Dresdner Bahn werden vom 22. April bis 10. November 2023 keine Züge aus Richtung Berlin nach Rangsdorf verkehren.

Guido Beermann bekannte sich zum Planungs- und Investitionsprogramm i2030, das Ausgaben von insgesamt rund neun Milliarden Euro vorsieht. Bürger und Fahrgastverbände kritisieren allerdings, dass der Ausbau des Schienennetzes zu langsam vorangeht. An diesem Mittwoch steht das Thema im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses auf der Tagesordnung. Unter anderem geht es auf Antrag der CDU um den aktuellen Stand der Projekte.