Berlin - Der Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin ist alles andere als ein gelungenes Projekt. Nicht etwa, weil die Wiedervereinigung kein Grund zum Feiern wäre. Das ist sie durchaus, auch wenn die Folgen des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik heute zu Recht kritischer bewertet werden als in der Euphorie kurz nach dem Mauerfall. Was im Fall des Freiheits- und Einheitsdenkmals so bitter aufstößt, ist die Tatsache, wie gering aufseiten der Beteiligten das Gespür für den Wert der historischen Spuren ausgeprägt ist, die dem Projekt weichen müssen oder die zerstört werden.

Teilweise zerstört wurde bereits der denkmalgeschützte Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, auf dem das Freiheits- und Einheitsdenkmal entsteht. Denn für das Fundament der Einheitswippe mussten sieben bis zu 40 Meter lange Stahlbetonpfähle durch das alte Bauwerk ins Erdreich getrieben werden. Ein Frevel, der nicht wieder gutzumachen ist.

Mindestens genauso schwer wiegt, dass das mehrere Hundert Quadratmeter große Bodenmosaik, das einst den Sockel zierte, dem neuen Denkmal weichen soll. Also eines der wenigen noch erhaltenen Originale im Schlossbezirk. Das Mosaik war bei der Sanierung des Sockels freigelegt, gesäubert und an einem Ort außerhalb von Berlin eingelagert worden, wo es sich jetzt noch befindet.

Dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) jetzt behauptet, der Erhalt der Mosaike sei weder „Gegenstand der Bundestagsbeschlüsse noch Teil des Wettbewerbs“ für das Freiheits- und Einheitsdenkmal gewesen, wie aus ihrer Antwort auf eine Anfrage der FDP hervorgeht, mutet schon recht eigenwillig an. Denn tatsächlich hat der Bundestag nie beschlossen, dass die Mosaike verschwinden sollen. Und dass die Mosaike im Wettbewerb für das Denkmal keine Rolle gespielt hätten, stimmt nicht. Es gibt sogar Bilder vom Wettbewerbssieger, auf denen das Mosaik zu sehen ist. Es wird Zeit, dass sich der Bundestag einschaltet.