Es wäre doch so einfach gewesen: Tolle Suppen kann Franka Eisenschenk kochen, etwa eine Rote-Beete-Suppe mit Apfelchips und Walnüssen oder eine Spanische Mandelsuppe mit pikanter Tomatensalsa. In eine gewöhnliche Plastikschüssel gefüllt, hätten sich ihre Suppenkreationen sicher gut als warmen Imbiss verkaufe können.

Aber Franka Eisenschenk wollte nun mal keine gewöhnliche Imbisswagenbesitzerin sein. Am Sonnabend eröffnet sie Berlins ersten Imbisswagen, der komplett ohne Einwegverpackung und Plastikmüll auskommt.

Nach dem erfolgreichen Start von Berlins erstem Lebensmittelladen „Original unverpackt“, der vor vier Wochen in Kreuzberg eröffnet hat, folgt Franka Eisenschenk nun mit der mobilen Variante. Einen fast 50 Jahre alten Transporter hat sie in den vergangenen Woche zum mobilen, innen mit hellem Holz verkleideten Imbisswagen im Street-Food-Style umbauen lassen: mit zwei Spülen, Kaffeemaschinen, einem elektrischem Suppenkocher und einem schicken Kühltresen aus Glas. „Kiezwagen Blank“ steht auf der grauen Karosserie.

Blank meint in diesem Fall die unverpackte Ware. Das Logo ist eine mechanische Küchenwaage. Denn wie auch im Kreuzberger Laden „Original Unverpackt“ können sich die Kunden aus zwölf Behältern an der Rückwand des Autos Trockenfrüchte, Nüsse und vegane Gummibärchen in Gläser oder in ihre mitgebrachten Behälter abfüllen. „Der grüne Trend hat sich in Berlin etabliert“, sagt Franka Eisenschenk. Ihr sei es am wichtigsten, dass in ihrem Imbisswagen kein Müll anfalle. „Viele Menschen sind heutzutage offen dafür“, sagt sie 34-jährige Frau aus Wilmersdorf.

Besteck aus Holz

Und so verkauft sie ihre Suppen in Tellern aus Palmblatt, das ist organisches und kompostierbares Material. Die Salate, etwa mit Bulgur oder Belugalinsen, bekommen die Kunden in Gläsern für einen Euro Pfand. Und den Kaffee füllt Franka Eisenschenk in Becher aus recycelbarem Karton. Das Besteck ist aus Holz. Wer will, kann aber auch von Porzellantellern und mit richtigem Besteck essen. Einen kleinen Vorrat davon hat Franka Eisenschenk in ihrem Wagen.

Die Unternehmerin erzählt, sie habe schon lange die Idee im Kopf gehabt, einen Öko-Imbiss ohne Plastikverpackung zu eröffnen. Als sie vor 14 Jahren für einige Zeit in einer Hippie-Kommune auf Kreta lebte, habe sie festgestellt, wie wenig sie zum Leben brauchte, und wie unnötig Verpackungen seien. Ein Café wollte sei anfangs eröffnen, dann entschied sie sich für die mobile Variante. Dafür hat die früherer Leistungssportlerin im Mehrkampf und achtfache Berliner Meisterin ihre Karriere als Werbekauffrau und Inhaberin einer Werbeagentur mit Aufträgen namhaften Kunden aufgegeben. „Anfang dieses Jahres habe ich für mich entschieden: Jetzt oder nie!“

An mehreren Orten wird Franka Eisenschenk in der kommenden Woche in der Stadt unterwegs ein. Dazu zählen Wochenmärkte im Neuköllner Schillerkiez und der Wilmersdorfer Mainzer Straße. Ihr Wagen gehört zur Lunch Karawane, die in der Kreuzberger Blücherstraße Street Food verkauft und hat einen Stellplatz in den Sarotti-Höfen in der Rungestraße in Mitte. Sie träumt auch schon vom nächsten Projekt: einer Kiezflotte von verpackungsfreien Imbisswagen, alle Autos elektrisch betrieben.

Die Speisekarte und alle Standorte im Internet www.kiezwagen-blank.de