Berlin - Es sollte eine der kürzesten Sitzungen des Flughafen-Aufsichtsrates werden. Eigentlich wollten die Mitglieder des Gremiums am Mittwoch nur für ein paar Minuten zusammenkommen, um die Bestellung von Heike Fölster zur Geschäftsführerin für Finanzen abzunicken. Doch nun ist absehbar, dass es nicht nur um die frühere Finanzchefin des Hamburger Flughafens, die ihren neuen Job am 1. Juni antritt, gehen wird.

Der Aufsichtsrat will auch über die Pläne für eine schrittweise Inbetriebnahme des Flughafens BER sprechen, sagte der Vorsitzende, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), am Montag in Cottbus. Gesprächsbedarf besteht dem Vernehmen nach auch deshalb, weil die Eröffnung in Etappen die Kosten weiter in die Höhe treiben könnte.

Beobachter rätseln, ob es sich um ein weiteres Manöver handelt, das von den Problemen bei der Fertigstellung des BER ablenken soll, oder ob Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn sich selbst und den Politikern auch mal ein Erfolgserlebnis verschaffen will. Wie dem auch sei: Mehdorn prüft, ob ein Teil des BER vorzeitig eröffnet werden könnte.

Im Gespräch mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) zog er einen Vergleich mit Weihnachten: „Sicherlich ist es so, dass wir da nicht warten, bis irgendwo so'n Türchen aufgeht am 24. Dezember, und dann liegt der kleine Flughafen in der Krippe, sondern es wird eine schrittweise Inbetriebnahme geben.“

Easyjet freut sich schon

Wie berichtet soll der Nordpier des neuen Terminals als Erstes geöffnet werden. Dort wird Easyjet der Hauptnutzer sein. Die Fluggesellschaft sei „höchsterfreut über die Nachricht eines möglichen Umzugs“, sagte Thomas Haagensen, der Geschäftsführer von Easyjet Deutschland. „Wir haben gegenüber dem Aufsichtsrat und dem Flughafen-Management stets eine schrittweise Eröffnung empfohlen.“

Der BER müsse jedoch gut mit Bus und Bahn erreichbar sein. „Easyjet könnte dann die Infrastruktur des BER noch vor der vollständigen Inbetriebnahme auf Herz und Nieren prüfen. Als größte Fluggesellschaft am Flughafen Schönefeld müssen wir nur die Rollbahn überqueren, um unseren Flugbetrieb vom BER zu starten“, so Haagensen.

Lufthansa befürchtet Zusatzkosten

Mehdorn will außerdem den Flughafen Tegel länger offen lassen – bis 2017. Doch Thomas Kropp, Leiter der Konzernpolitik der Lufthansa, sprach sich dafür aus, an dem bisherigen Single-Airport-Konzept festzuhalten. „Aus unserer Sicht ist es ein gutes Konzept, den Luftverkehr in Berlin an einem Standort zu konzentrieren“, sagte er der Berliner Zeitung.

„Ein Parallelbetrieb von mehreren Flughäfen führt zu zusätzlichen Kostenbelastungen, weil dann sämtliche technische Anlagen und Infrastruktureinrichtungen, wie zum Beispiel die Feuerwehr, an beiden Standorten vorgehalten werden müssen. Eine solche Lösung ist nicht für kleines Geld zu haben.“ Kropp schloss aus, dass die Lufthansa-Gruppe in Berlin an mehreren Airports gleichzeitig tätig wird.

Auch Christian Wiesenhütter, Vize-Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, ist skeptisch. „Eine Teilinbetriebnahme des BER ist ein sympathischer Vorschlag und eine gute Marketingidee, doch es wären noch viele Fragen zu klären“, sagte er. „Es muss Airlines geben, die diesen Schritt machen und umziehen. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass Air Berlin oder Lufthansa den für sie lukrativen Standort Tegel separat verlassen werden, sie werden nur zusammen an den BER gehen.“ Die Flughafengesellschaft werde Airlines mit Vergünstigungen bei den Gebühren locken müssen, was zu niedrigeren Einnahmen führe.

Dies wiegt um so schwerer, weil eine Teileröffnung mit Kosten verbunden ist, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Wenn ein Pier vorzeitig in Betrieb genommen würde, müsste er von der nicht funktionierenden Steuerung der Brandschutzanlage abgekoppelt werden und eine eigene Steuerung bekommen. Auch für den Gepäcktransport müsse dort separat gesorgt werden.

„Der Plan ist eine Verzweiflungstat“, sagte Martin Delius von den Piraten. „Statt immer neuer Tricksereien brauchen wir einen vollständigen Kassensturz. Das Problem BER ist zu ernst für PR-Manöver.“