Bedeutender geht es nicht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird an diesem Montag die Digitalkonferenz re:publica eröffnen. Inzwischen besitzt nahezu jeder Bundesbürger ein Smartphone – und die re:publica mit mehr als 10.000 erwarteten Teilnehmern bietet in den kommenden drei Tagen die größte Bühne, um über die technische Revolution zu sprechen – schon klar, dass da der Bundespräsident hingehört.

Bundespräsident Steinmeier fordert „Ethik der Digitalisierung“

Die Digitalisierung ist ein Thema, mit dem sich die Regierung sehr schwertut. Wer die Investitionssummen vergleicht, die andere Länder – und damit sind nicht nur die die Großen wie USA und China gemeint – für Forschungsprojekte zur Künstlichen Intelligenz oder zur Digitalisierung des Gesundheitswesen bereitstellen, staunt über die geringen Beträge im Bundeshaushalt.

Gut also, dass etliche Mitglieder der Bundesregierung an der Konferenz teilnehmen. Hoffentlich werden sie in Zukunft besser verstehen, welches Potenzial die neue Technik bietet und welche Verpflichtungen eingegangen werden müssen, um weltweit mithalten zu können. Die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet ist nur ein wichtiger Aspekt. Steinmeier hat zuletzt eine „Ethik der Digitalisierung“ gefordert, dazu gehört für ihn eine moderne Arbeitswelt, in der die Rechte der Angestellten gewahrt bleiben. „Weil Zukunftsangst, wo immer sie vorhanden ist, sich nicht in Demokratieskepsis verwandeln darf“, lautet seine Begründung.

Die re:publica hat sich über die Jahre stark verändert - die Diskussion über Digitalisierung auch

Es kann sein, dass es sehr ernst zugehen wird bei der re:publica in diesem Jahr. Schon zu Beginn vor zwölf Jahren war die Konferenz ein guter Gradmesser, wo die Gesellschaft gerade steht in Sachen Digitalisierung. 700 Blogger trafen sich in der Kalkscheune. Facebook war damals drei Jahre alt, Instagram gab es noch nicht. Die Nerds hatten Spaß daran, eigene Texte im Netz zu verbreiten. Auch viele Frauen gehörten damals schon zur Blogger-Szene. Von Klassentreffen war die Rede.

Später passten der Hype um Katzenvideos und die Sorge um Datensicherheit nach den Veröffentlichungen von Edward Snowden wunderbar zusammen, die Netzgemeinde war noch dabei, sich zu finden. Inzwischen sind aus einigen einst kleinen Plattformen mächtige Tech-Giganten geworden, ihre Methoden sind manchmal strafbar, oft umstritten. In Berlin fürchteten Aktivisten die Überwachung durch Google. Sie verhinderten vor Monaten ein Campus des US-Unternehmens in Kreuzberg. Sie werden bei der re:publica auf Urheberrechtsgegner treffen, die bei den Protesten vor einigen Wochen auf der Seite von Google standen.

Andreas Gebhard sieht speziellen Auftrag der re:publica

Andreas Gebhard, Geschäftsführer und einer der Gründer der re:publica, sagt über das Spannungsfeld, in dem sich die Konferenz in diesem Jahr befindet: „Wenn es eine gewisse Schärfe in den Diskussionen gibt, dann entspricht das unserem Plattform-Gedanken. Uns geht es darum, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen.“ Die geplante Diskussion zwischen dem CDU-Europapolitiker Axel Voss und dem Netzpolitiker Markus Beckedahl über das Urheberrecht könnte so ein Moment werden, denn die beiden vertreten extrem gegensätzliche Positionen.

Und dann sind da die Kritiker, denen die re:publica zu groß, zu laut und zu massentauglich geworden ist. Gebhard spricht dagegen von einem speziellen Auftrag in Zeiten, in denen sich die Rahmenbedingungen durch Innovationen ständig ändern. „Es ist ja eigentlich skandalös, dass so eine monumentale Veränderung in der Gesellschaft keinen Ort der Verhandlung hat“, sagt er. Obwohl es aus seiner Sicht zumindest einen gibt: die re:publica.