BerlinAlexanderplatz. Klosterstraße. Märkisches Museum. Wer häufiger mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) unterwegs ist, dem wird bald auffallen, dass sich bei den Ansagen etwas verändert hat. Denn das Landesunternehmen hat eine neue Stimme. Philippa Jarke, 45 Jahre alt und aus Berlin, sagt von nun an die nächsten U-Bahnhöfe und Haltestellen an. Seit Sonntag sind die ersten Busse mit dem neuen Sound unterwegs, nach und nach folgen die anderen Fahrzeuge des größten kommunalen Verkehrsunternehmens Deutschlands.

Wer spricht denn da? Das ist eine Frage, der Betriebe wie die BVG große Bedeutung beimessen. Auch wenn sich immer mehr Fahrgäste darauf verlassen, dass ihr Mobiltelefon ihnen schon alles Wichtige mitteilt, gehören Durchsagen weiterhin zum Service – zum Beispiel für Blinde und Sehbehinderte. Doch nicht immer haben die Auftraggeber ein glückliches Händchen. Das musste die Hamburger Hochbahn erfahren, als sie 2006 die Ansagen von Kindern sprechen ließ. Niedlich, sympathisch – das waren  erste Reaktionen. Doch schon bald hieß es, dass die Stimmchen im Lärm untergingen.

Im Jahr 2015 bat die BVG Prominente ins Studio. Auf der U2 sagte Otto Waalkes die Station Sophie-Charlotte-Platz an. Dieter Hallervorden war für den U-Bahnhof Mohrenstraße zuständig – der Verein Berlin Postkolonial fühlte sich provoziert. Bald war auch auf der U2 wieder Helga Bayertz zu hören, die gewohnte BVG-Stimme.

Nun zeichnet also Philippa Jarke für die akustische Visitenkarte des Unternehmens verantwortlich. Sie setzte sich unter rund tausend Bewerberinnen und Bewerbern durch und verbrachte für die BVG mehr als 100 Stunden im Tonstudio. Die gebürtige Wilmersdorferin ist Synchronregisseurin, Sprecherin, Schauspielerin, Dialogbuchautorin und Filmproduzentin. Sie lieh unter anderem Ashton Kutcher, Ben Stiller und anderen Schauspielern ihre Stimme. Jarke ist Transgender, steht auf der Internetseite ihrer  Agentur. „Dynamisch, facettenreich, mittelkräftig, warm“, so wird dort beschrieben, wie sie spricht. BVG-Chefin Eva Kreienkamp formuliert es so: „Etwas rau, aber immer sympathisch und authentisch.“ Wie Berlin.