In gut zwei Wochen, am 23. Juni, stimmt das Inselkönigreich über seine EU-Mitgliedschaft ab – für die 13.995 in Berlin lebenden Briten jedoch, so fürchtet Amanda Diel, ist es womöglich morgen schon zu spät.

Countdown für die Briten in Berlin

Heute, am 7. Juni, endet die Registrierungsfrist für das Referendum: Nur wer sich ins Wahlregister eintragen lässt, wird zur Volksabstimmung überhaupt zugelassen. Großbritanniens Verhältnis zum Rest Europas könnte komplett neu geregelt werden, sagt Amanda Diel: „Jeder Bürger mit britischem Pass sollte deshalb wissen, wie er sein demokratisches Recht ausüben kann.“

Um an den Countdown zu erinnern, hat Amanda Diel mit Gleichgesinnten in Berlin, darunter die Anwältin Jane Golding, schon Anfang April eine Website gegründet. Wie die Online-Registrierung funktioniert, wie man per Brief- oder Stellvertreterwahl abstimmt, ist nun auf einer Homepage, vote-eu-referendum.com, erläutert.

Amanda Diel, die als Policy Manager arbeitet, hat eine britische Mutter, ist in Deutschland geboren und in München zur Schule gegangen. „Ich bin als Europäerin aufgewachsen“, sagt sie. „Ob ich Deutsche oder Britin bin, hat für mich immer nur eine nachgeordnete Rolle gespielt.“ Sie bedauert, dass sich auf der Insel der Eindruck verfestigen konnte, alle Regelungen aus Brüssel würden den Briten zum Nachteil gereichen: „Wir haben eine Menge Errungenschaften, die man schätzen sollte.“

Frage der Staatsbürgerschaft

Sie selbst jedoch wird nicht mitwählen dürfen, weil sie ihren britischen Pass erst seit einem Jahr hat und so die Formalien nicht erfüllt. Das Referendum hatte sie bewogen, sich auch um die britische Staatsbürgerschaft zu bemühen. „Ich wollte nicht, dass ich in fünf Jahren höre, ich könne nun leider nicht mehr in London arbeiten.“ Ihre Mutter, sagt Amanda Diel, stand vor einer ähnlichen Situation – nur mit umgekehrten Vorzeichen: Nach Jahrzehnten als Britin in Deutschland wolle sie nun den deutschen Pass beantragen.

Tatsächlich herrscht große Unklarheit darüber, welche konkreten Folgen ein Brexit für den Alltag der Briten hätte. Das liegt daran, dass sich die verschiedenen Anti-EU-Fraktionen auf der Insel noch auf kein Austrittsszenario einigten.

Einige der Auslandsbriten erwägen deshalb, lieber auf Nummer sicher zu gehen und sich einbürgern zu lassen. Für den Bezirk Pankow bestätigt Stadtrat Torsten Kühne, dass es vermehrt Anfragen und Anträge gebe: „Als Grund wird im Beratungsgespräch offen die Befürchtung angegeben, dass Großbritannien aus der EU ausscheidet“, sagt er. Die Zahlen seien niedrig, der Anstieg aber signifikant: 2014 bemühten sich drei Briten in Pankow um Einbürgerung; für 2016 liegt die Zahl der Einbürgerungen und Anträge bereits bei acht. Nicht überall ist die Entwicklung ähnlich: In Neukölln, wo besonders viele Briten leben, sind die Daten unauffällig. Doch in Kreuzberg-Friedrichshain hat Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler im letzten Quartal vermehrt Einbürgerungswünsche von Briten festgestellt: „Es sind nicht viele.“ Aber im Unterschied zu den Vorjahren sei die Entwicklung überraschend.