Berlin - Wenn alles klappt, wollen sie gemeinsam Weihnachten feiern. Wenn auch erst im Jahr 2015. Nachdem in der vergangenen Woche der französische Mineralölkonzern Total seine neue Deutschlandzentrale in der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs eröffnet hat, wollen nun mehrere Investoren nachziehen. Sie planen, in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Kunstcampus hinter dem Hamburger Bahnhof weitere Firmenzentralen sowie Wohnungen zu errichten. „Wir reden jetzt nicht mehr über irgendwelche Überlegungen, sondern über konkrete Projekte“, sagt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Die Dynamik, mit der sich dieses Gebiet jetzt entwickelt, sei bemerkenswert.

Spallek hat sich am Mittwoch im Excellent Business Center des Hauptbahnhofs mit den Investoren getroffen. Aus dem achten Stock hatten sie einen guten Blick auf ihre künftigen Baustellen und den Kunstcampus. Dort will zum Beispiel die Gesellschaft 50Hertz, Betreiber von Hochspannungsnetzen im Osten und Norden Deutschlands, ein zwölfgeschossiges Hochhaus errichten und seine Zentrale mit 600 Mitarbeitern von Treptow an den Hauptbahnhof verlagern. Wie Geschäftsführer Udo Giegerich sagt, sollen etwa 60 Millionen Millionen Euro in den Neubau investiert werden, weil man die zentrale Lage schätzt und als Netzbetreiber auch die Nähe zur Bundesregierung sucht.

50 Millionen Euro teurer Bau

Auch der Berliner Unternehmer Klaus Groth hat ein Grundstück am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal gekauft, auf dem jetzt noch die Halle am Wasser mit mehreren Galerien steht. „Ich halte das Gebiet für ein Juwel“, sagt Groth. Auch wegen der direkten Lage am Hauptbahnhof könne er sich keinen besseren Ort für innerstädtischen Wohnungsbau vorstellen. Der Unternehmer will kommende Woche einen Wettbewerb für das sechs- oder siebengeschossige Gebäude starten, damit er in einem Jahr mit dem 50 Millionen Euro teuren Bau des Wohnhauses beginnen kann.

Etwa 120 Wohnungen sollen laut Groth entstehen, der Standard wird gehoben sein. Das heißt: Durchschnittlich 4 500 Euro pro Quadratmeter müssen die künftigen Wohnungseigentümer zahlen. Zudem plant Groth ein weiteres Wohnungsbauprojekt westlich der Europacity an der Lehrter Straße. Dort will er für insgesamt 250 Millionen Euro 700 Wohnungen bauen.

Auch das Beratungs- und Planungsunternehmen Ernst Basler + Partner aus der Schweiz will auf dem Kunstcampus seine Deutschlandzentrale errichten und von Potsdam nach Berlin ziehen. „Für Schweizer Verhältnisse sind wir mit 330 Mitarbeitern schon ein großes Unternehmen“, sagt Stefan Jaques. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes soll es öffentliche Nutzungen geben. Ein Restaurant ist dort vorgesehen und eine Galerie, wie es derzeit schon einige auf dem Gelände als Zwischennutzer gibt.

Neues Bürohaus Kunstkubus

Das kommt auch Klaus Groth entgegen: „Wir wollen als Investoren verabreden, dass die Erdgeschosse unserer Häuser im Kunstcampus auch für Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt werden“, sagt er. Investieren will auch die Edel AG, die ihr neues Bürohaus Kunstkubus nennt.

Entwickelt wird die 40 Hektar große Europacity vom österreichischen Immobilienunternehmen CA Immo zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Senat. Wie Henrik Thomsen von CA Immo sagt, werde die Entwicklung der Europacity vom Kunstcampus ausgehen, der etwa 15 Prozent des Gebiets ausmacht. Die CA Immo plant derzeit nördlich des Campus-Geländes ein neues Wohngebiet mit 700 Wohnungen, die ab 2013 gebaut werden sollen. „In ein paar Jahren werden wir hier eine lebendige Stadt erleben in einer architektonischen Qualität, wie sie das Total-Hochhaus schon bietet“, sagt Thomsen. Dazu gehören auch Uferpromenaden, Brücken sowie ein öffentlicher Platz, den die Investoren gemeinsam gestalten wollen. Wie er einmal aussehen soll, werde man jetzt bereden, so Thomsen. 2015 könnte man dort dann vielleicht Weihnachten feiern.