Aufgeregt, weil am heutigen Dienstag Richtfest für ihr neues Hotel am Hauptbahnhof gefeiert wird? Nein, aufgeregt ist Steffi Wisotzky deshalb nicht. Vielmehr ungeduldig. Denn Steffi Wisotzky ist seit dem 1. April die Direktorin des neuen Intercity-Hotels der Steigenberger-Gruppe. „Jeden Tag sieht man das Hotel wachsen. Und man wünscht sich, dass es noch schneller geht“, sagt die 35-Jährige. Sie hat ein Büro in einem Baucontainer. Von hier aus kümmert sie sich schon um das neue Personal, denn ab Oktober 2013 sollen bis zu 80 Mitarbeiter die Gäste im Intercity-Hotel empfangen. Erst vor einem Jahr wurde mit dem Bau begonnen, jetzt ist die Betonhülle fertig.

Das Drei-Sterne-Hotel wird über 412 Zimmer verfügen. Für Steffi Wisotzky, die bis zum Frühjahr das Intercity-Hotel in Dresden geleitet hat, war es ein großer Wunsch, auch in Berlin ein Hotel zu managen. Obwohl das Gebiet am Hauptbahnhof unwirtlich ist, findet die Direktorin Berlin reizvoll und faszinierend. „Wenn man auf das Hotel blickt, ist man mittendrin, nicht nur zentral.“

Errichtet wird das Hotel vom österreichischen Immobilienunternehmen CA Immo für 53 Millionen Euro, Steigenberger hat einen Pachtvertrag über 20 Jahre. Die Hotelgruppe hat sich auch das Nachbargrundstück gesichert. Dort baut seit diesem Monat das Unternehmen Strauss & Partner das Steigenberger Hotel am Kanzleramt mit 320 Zimmern und 19 Suiten mit Konferenz- und Wellnessbereich – ein Luxushaus. Wie Strauss-Sprecherin Brigitte Philipp sagt, soll das Hotel im April 2014 eröffnen.

Beide Hotels gehören zur 40 Hektar großen Europacity, das Intercity ist der zweite Neubau auf der Südseite des Bahnhofs. Neben dem gläsernen Palast steht schon das Hotel Meininger, an dem es aber wegen der billig wirkenden Fassade heftige Kritik gab – eine Architekturdebatte über die Gestaltung der Europacity war die Folge.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher besteht jetzt darauf, dass Investoren Wettbewerbe veranstalten und die Entwürfe im Baukolleg des Senats diskutiert werden. So war es auch beim Intercity. Dessen Architekten Dieter Reichel und Rüdiger Stauth betonen, dass das Hotel mit den bis zu 1,5 Meter großen Vor- und Rücksprüngen in der Fassade mit den anderen Häusern am Washingtonplatz korrespondiere. Die Fassade werde mit hellem Naturstein verkleidet.

Verkehrschaos nördlich des Bahnhofs

Auch nördlich des Bahnhofs wird nach jahrelangem Stillstand gebaut. Dort herrscht aber Verkehrschaos: In der Invalidenstraße entsteht eine neue Straßenbahnstrecke, für die S 21 werden Baugruben vorbereitet. Kürzlich hat aber der französische Mineralölkonzern Total seine neue Deutschlandzentrale eröffnet, mehrere Investoren wollen auf dem Kunstcampus am Hamburger Bahnhof nun nachziehen. Wie Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sagt, sei die Dynamik, mit der sich das Gebiet entwickelt, bemerkenswert. „Wo viele Jahre Ödnis war, wird die Europacity zu einem Scharnier zwischen West und Ost.“ Neue Wege, Promenaden und Brücken werden von Moabit bis zum Pankegrünzug führen.

Ein zwölfgeschossiges Hochhaus will zum Beispiel die Gesellschaft 50Hertz, Betreiber von Hochspannungsnetzen, errichten und seine Zentrale mit 600 Mitarbeitern von Treptow an den Hauptbahnhof verlagern. Wie Geschäftsführer Udo Giegerich sagt, werde man 60 Millionen Euro investieren, weil man die Nähe zur Bundesregierung sucht.

Auch der Unternehmer Klaus Groth hat ein Grundstück mit Wasserlage gekauft. „Ich halte das Gebiet für ein Juwel.“ Ab 2013 will er 120 hochwertige Wohnungen errichten. Kaufpreis: 4500 Euro pro Quadratmeter. Wie Groth sagt, wollen die Investoren verabreden, dass die Erdgeschosse im Kunstcampus für Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt werden. Zudem plant Groth Wohnungen westlich der Europacity an der Lehrter Straße – für 250 Millionen Euro sollen 700 Wohnungen entstehen. Und das Beratungsunternehmen Ernst Basler + Partner aus der Schweiz errichtet auf dem Campus seine Deutschlandzentrale und zieht von Potsdam nach Berlin.

Wie Henrik Thomsen von CA Immo sagt, gehe die Entwicklung der Europacity vom Kunstcampus aus. Die CA Immo plant nördlich des Campus-Geländes ein Wohngebiet mit 700 Wohnungen, die ab 2013 gebaut werden sollen. „In ein paar Jahren werden wir hier eine lebendige Stadt erleben in einer architektonischen Qualität, wie sie das Total-Hochhaus schon bietet.“