Der Bauboom in der Europacity am Hauptbahnhof geht weiter. Das österreichische Immobilienunternehmen CA Immo errichtet neben dem Total-Tower ein Bürohaus. Noch diesen Monat sollen die ersten Kräne stehen, Baustart für das sechsgeschossige Gebäude an der Jean-Monnet-Straße soll im Januar 2014 sein. „Wir sind froh, dem Total-Hochhaus einen kleinen Bruder geben zu können“, sagt Henrik Thomsen, Chef der Entwicklungsabteilung von CA Immo.

27 Millionen Euro will das Unternehmen ausgeben. Ein Hauptmieter steht fest: Der Finanz- und Vermögensberater MLP will seine bisher neun Berliner Geschäftsstellen am Hauptbahnhof zusammenfassen. „Das neue Gebäude ermöglicht uns in Berlin einen modernen Auftritt“, sagt MLP-Bereichsvorstand Oliver Liebermann. Knapp die Hälfte des Gebäudes wird MLP auf vier Geschossen belegen, für die übrigen Flächen sucht CA Immo weitere Mieter. Im Frühjahr 2015 soll das 24 Meter hohe Gebäude fertig sein, das nach der Adresse den Namen „Monnet 4“ trägt. Der französische Unternehmer Jean Monnet (1888–1979) war ein Wegbereiter der Europäischen Union. Mit weiteren Bürohäusern vollendet werden kann das Karree zwischen Heidestraße und Europaplatz aber erst nach 2017. So lange baut die Deutsche Bahn noch die Trasse für die Linie S21 vom nördlichen S-Bahnring zum Hauptbahnhof.

Fassade aus Aluminium

Wie schon der 69 Meter hohe Tower für die Deutschlandzentrale des französischen Mineralölkonzerns Total wurde auch das Nachbarhaus von den Architekten Regine Leibinger und Frank Barkow entworfen. Während die Hochhausfassade aus Betonfertigteilen besteht, die Licht- und Schattenwechsel erzeugen, soll der Neubau daneben eine Metallfassade, wahrscheinlich aus Aluminum, erhalten. Darüber wird aber noch im Baukolleg bei Senatsbaudirektorin Regula Lüscher diskutiert.

CA Immo ist der aktuell größte Investor in der Europacity, wie das 40 Hektar große Areal entlang der Heidestraße zwischen Hauptbahnhof und Perleberger Straße genannt wird. Geplant sind Milliardeninvestitionen: Bürohäuser, Hotels und 1 400 Wohnungen sollen entstehen. Außerdem hat die Gesellschaft 50Hertz, ein Betreiber von Hochspannungsnetzen, damit begonnen, gegenüber von Total an der Heidestraße seine Firmenzentrale zu errichten.

Auch am Kunstcampus hinterm Hamburger Bahnhof wird investiert. Die Groth-Gruppe baut Wohnungen, die Edel AG (Plattenproduktion, Buchverlage, Musiklabels) aus Hamburg errichtet eine futuristisch aussehende Berlin-Niederlassung, und auch das Schweizer Beratungsunternehmen Ernst Basler & Partner baut dort, um seine Deutschlandzentrale von Potsdam nach Berlin zu verlegen. Bis Ende 2015 sollen die Gebäude stehen. Die große Platzfläche dazwischen wird CA Immo für drei Millionen Euro ebenfalls herrichten.

Mieten und Kaufen

Auf dem Gelände nördlich davon ist im Sommer 2014 Baustart. Zunächst entstehen zwischen Heidestraße und Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 520 Wohnungen. Preiswerter Wohnraum entsteht aber kaum. Zwar soll ein Block mit 80 Wohnungen an eine der Wohnungsbaugesellschaften verkauft werden, um einen Mietpreis unter zehn Euro pro Quadratmeter anzubieten – einen Interessenten gibt es aber noch nicht. Für die anderen Mietwohnungen werden laut Thomsen Kaltmieten von 12 bis 14 Euro verlangt werden. Am Kanal sind Eigentumswohnungen mit Kaufpreisen ab 4 000 Euro pro Quadratmeter vorgesehen. Zudem sind eine Kita sowie Läden und ein Café geplant.

Noch immer unklar ist, wie der zentrale Stadtplatz in dem Viertel gestaltet werden soll. Ursprünglich war am Schifffahrtskanal ein 100 Meter langes und 40 Meter breites Wasserbecken geplant. Doch wie berichtet, ist die Finanzierung durch das Land geplatzt, weil es für das zehn Millionen Euro teure Becken keine EU-Förderung gibt. Daher muss neu geplant werden.