Ab sofort haben es Kinder deutlich einfacher, in die zweisprachigen Klassen der mehr als 20 Staatlichen Europaschulen aufgenommen zu werden. An Grundschulen müssen Muttersprachler-Kinder nur noch 70 Prozent des Eingangssprachtests bestehen. Bisher wurden mindestens 80 Prozent verlangt. Kinder aus deutschsprachigen Familien müssen sogar nur noch 20 Prozent der möglichen Punkte erreichen. Bisher waren laut Bildungsverwaltung 45 Prozent nötig.

Dies stößt auf Kritik von Eltern, die um das besondere Schulprofil fürchten. „Jetzt reicht es schon, drei Farbbezeichnungen auf Englisch zu können“, sagt Elternvertreterin Cora Falk-Rode von der Arbeitsgemeinschaft Staatliche Europaschulen.

Durch die niedrigen Zugangbedingungen würde das Niveau deutlich sinken. Die Bildungsverwaltung erklärt hingegen, man wolle rein deutschsprachigen Eltern verstärkt die Möglichkeit geben, ihre Kinder an einer nachgefragten Europaschule unterzubringen. Besonders begehrt sind derzeit deutsch-französische, deutsch-englische und deutsch-spanische Grundschulen.

Bilingualer Unterricht

Die Europaschulen waren zum Schuljahr 1993/94 eingeführt worden. Ursprünglich sollten dort je zur Hälfte Schüler mit der jeweiligen Muttersprache lernen und zur Hälfte deutschsprachige Kinder. Der Unterricht findet zur Hälfte auf Deutsch und in der jeweiligen Fremdsprache statt, wofür diese Klasse anders als die Regelklassen auch zusätzliche Lehrer erhält. Da das neue Aufnahmeverfahren rückwirkend zu Anfang Februar in Kraft tritt, müssen die Eingangssprachtests an einigen Schulen wiederholt werden – beispielsweise an der deutsch-englischen Charles-Dickens-Grundschule in Westend.

Elternvertreter wie Cora Falk-Rode kritisieren in diesem Zusammenhang, dass der Senat 2005 berlinweit alle Vorklassen abgeschafft hat. In den Vorklassen der Europaschulen seien Kinder deutscher Muttersprachler gut auf die bilinguale Schule vorbereitet worden, heißt es. Die Alternative – zweisprachige Privat-Kitas – könnten sich längst nicht alle Eltern leisten.

Die Arbeitsgemeinschaft Europaschulen fordert deshalb von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), dass bilinguale Europa-Kitas eingerichtet werden. Ein entsprechendes Konzept gibt es bereits, hat aber laut Bildungsverwaltung bislang keine Mehrheit im Parlament gefunden.

Ein weiteres Problem ist der Raummangel. Da vielerorts die Kinderzahl steigt, sollen einige bilinguale Klassen, deren Schüler nur zum Teil aus dem Einzugsbereich stammen, umziehen. Damit Platz für weitere Regelklassen entsteht. Das stößt auf Kritik – unter anderen an der Märkischen Grundschule in Reinickendorf, die deutsch-französische Klassen anbietet.

Streit um Begabte

Ärger gibt es auch bei den neu gestalteten Aufnahmetests für die Schnelllernerklassen an sieben Gymnasien. Bei den gerade erfolgten Tests ist nämlich die Hälfte von 594 Bewerbern gescheitert. Das Lessing- oder das Dathe-Gymnasium bekommen ihre jeweils zwei 5. Klassen für Schnelllerner derzeit nicht voll. Neben den Grundschulnoten mussten Schüler beim neuen IQ-Test mindestens fünf von zehn Punkten erreichen.

Bisher gab es zwei Tests: Einer prüfte das logische Denken, einer die Auffassungsgabe. Es reichte, wenn man einen der beiden Tests bestand. Die Schulleiter werfen der Bildungsverwaltung nun vor, den neuen Test bewusst schwerer gemacht zu haben. Die Verwaltung verweist darauf, dass der bisherige IQ-Test im Internet einsehbar und deshalb unbrauchbar sei. Hintergrund der verschärften Tests ist der Vorwurf, die Gymnasien hätten auch nicht begabte Schüler in Begabtenklassen aufgenommen.