Berlin - Kurz vor dem Wahlsonntag zur Europawahl zeichnet sich ein neuer Briefwählerrekord ab. Fast eine halbe Million Briefwahlunterlagen habe man bereits verschickt, teilte Wahlleiterin Petra Michaelis mit. Genau seien es bis zum 21. Mai 482.159 Wahlscheine gewesen, das seien über 130.000 mehr als bei der letzten Europawahl vor fünf Jahren. Das spreche für eine größere Mobilisierung anlässlich der diesjährigen Wahl, sagte die Wahlleiterin. Dennoch sieht sie die wachsende Anzahl von Briefwählern kritisch. „Die Grundsätze von geheimer und gleicher Wahl werden ein Stück weit in Frage gestellt.“

Denn bei einer Briefwahl sei nie ganz klar, wer das Kreuz auf dem Wahlzettel gemacht hat. Zudem könnten Briefwähler Ereignisse kurz vor der Wahl nicht mehr berücksichtigen. Ulrike Rockmann vom Landesamt für Statistik betonte, dass man in Schweden zwei Wochen vor der Wahl seine Briefwahlentscheidung zurückziehen und neu wählen könne, in Deutschland nicht.

Insgesamt können bei der Europawahl 2,51 Millionen Berliner ihre Stimme abgeben – etwa 11.000 weniger als bei der Europawahl 2014.

Berliner können Briefwahlunterlagen auch online beantragen

Jeder fünfte ist inzwischen ein Briefwähler. Den Trend zur Briefwahl konnte man in Berlin auch bei den jüngste Bundestags- und Abgeordnetenhauswahlen sehen. „Viele Leuten wollen sonntags etwas anderes machen, als wählen zu gehen“, sagte Michaelis. Zumal man auch online und neuerdings mit einem QR-Code Briefwahlunterlagen beantragen kann.

In Berlin stehen insgesamt 40 Listen zur Wahl, 16 mehr als 2014. Der Stimmzettel ist fast einen ganzen Meter lang. Die CDU ist in der Hauptstadt die einzige Partei, die mit einer eigenen Landesliste antritt. Insgesamt haben sich bisher 18.000 der 256.000 in Berlin gemeldeten EU-Ausländer ins Wählerverzeichnis eintragen lassen, darunter auch 838 Briten. 79 Prozent der 1.800 Berliner Wahllokale sind mittlerweile barrierefrei zugänglich, Sehbehinderte können mittels einer Stimmzettelschablone wählen.