Rund 2 300 jüdische Sportler und ein 70. Jahrestag: Diese beiden Zahlen stehen für die European Maccabi Games (EMG), die vom 27. Juli bis 5. August stattfinden – im Berliner Olympiapark und erstmals in Deutschland.

Sportler aus ganz Europa werden dazu in der Stadt erwartet. Sie werden sich in klassischen Sportarten wie Schwimmen oder Basketball messen, aber auch in eher ungewöhnlichen Sportarten wie Bridge, Schach oder Bowling.

Mindestens so wichtig ist der politisch-symbolische Gehalt der Veranstaltung. 70 Jahre nach Ende des Holocaust findet die größte jüdische Sportveranstaltung Europas in Berlin statt. Noch dazu auf dem Gelände des ehemaligen Reichssportfeldes, das für Olympia 1936 erbaut wurde. „Natürlich sind wir uns der historischen Dimension bewusst“, sagt Oren Osterer, Chef des Organisationskomitees. „Als der Plan gefasst wurde, die European Maccabi Games nach Deutschland zu holen, war klar: Es kann nur Berlin sein.“

Der Senat unterstützt die Spiele, indem er das landeseigene Gelände am Olympiastadion kostenlos zur Verfügung gestellt. Doch Berlin soll noch mehr tun: Weil die Veranstalter nicht genug Spenden aus der Wirtschaft erhielten und ihr geplantes Budget so nicht alleine decken können, soll das Kabinett am heutigen Dienstag einen Zuschuss von 1,59 Millionen Euro beschließen. Die Zustimmung gilt als sicher.

Eröffnung in der Waldbühne

So bleibt es bei einer Mischkalkulation aus Gebühren jedes Sportlers (jeder bezahlt seine Anreise plus 900 Euro Startgebühr), dem Senatszuschuss von 1,59 Millionen Euro sowie 500 000 Euro aus einer Charity-Veranstaltung von Privatleuten.

Die halbe Million soll in die Eröffnungsfeier am 28. Juli fließen. Dafür wurde die Waldbühne gemietet. Zwar ist sie mit 20 000 Plätzen sehr groß, doch noch größer war der Reiz, die ebenfalls im 1936er-Stil erbaute Naturbühne mitzunutzen. „Wir können Berlin, dem Olympiapark und der Waldbühne eine ganz bestimmte Legitimation geben“, so Osterer. Große Worte, für die es großen politischen Rückhalt gibt. So soll Bundespräsident Joachim Gauck die Spiele eröffnen. Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, erhält eine Einladung.

Für alle anderen Veranstaltungen ist der Besuch kostenlos. Wer sollte auch dafür bezahlen wollen, um etwa beim Bridge zuzugucken. Das Kartenspiel gehört ebenso wie Bowling zu den exotischen Sportarten, die bei den Maccabi Games immer schon auch ihren Platz haben. „Wir sind da flexibel“, sagt Oren Osterer. Während olympische Kernsportarten wie Turnen oder Leichtathletik im Laufe der Zeit mangels Teilnehmern eingestellt wurden, habe es zuletzt große Nachfrage etwa nach Dressurreiten oder Sportschießen gegeben. „Also haben wir das aufgenommen“, so Osterer.

Die meisten Wettbewerbe finden im Olympiapark statt. Das hat neben der vielen Sporteinrichtungen den Vorteil, dass der Zugang über den einzigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Eingang nahe der Waldbühne gut bewacht werden kann. Zentrum der Spiele und Ort der Medaillenvergabe soll der Jahn-Platz auf dem Gelände sein.

Wettkämpfe in der Stadt

Doch die Spiele sollen keine gänzlich geschlossene Veranstaltung werden. Auch die Sömmeringhalle in Charlottenburg ist für einige Tage gebucht, ebenso das Horst-Korber-Sportzentrum. Tennis wird bei Rot-Weiß in Grunewald gespielt, Squash in Tegel, Golf in der Stolper Heide.

Zweites Zentrum neben dem Jahn-Platz wird das Estrel-Hotel in Neukölln. Dort sollen alle Teilnehmer unterkommen, das Hotel ist damit für die gesamte Zeit komplett ausgebucht. Neben Sportlern aus vielen europäischen Ländern werden dort auch Delegationen aus den USA, Südafrika, Australien, Argentinien, dem afrikanischen Guinea-Bissau sowie aus Israel erwartet.

Das Estrel wurde nicht nur wegen seiner schieren Größe gewählt, sondern auch wegen seiner vielen Kongresssäle. In denen gibt es ein Kulturprogramm, jede Menge Platz zum Feiern, und dort soll auch ein Weltrekord gebrochen werden – mutmaßlich der einzige während der Maccabi Games: Wenn alle Estrel-Bewohner am Freitag, den 31. Juli, am Kiddush teilnehmen, winkt ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Der Kiddush ist der Segensspruch zum Beginn des jüdischen Feiertags Sabbat.

Vom Estrel aus werden die Gäste auf eigene Faust die Stadt erkunden. Die rund 600 erwarteten Jugendliche dagegen dürfen das Hotel nur in Begleitung von Betreuern verlassen. Sicher ist sicher.