Berlin - Es riecht nach Teer. Bauarbeiter verschweißen neue Dachbahnen und verlegen dicke Wärmedämmplatten. Die Sanierung der Hangardächer des Flughafens Tempelhof hat begonnen: Etwa 60 Bauleute sind dabei, eine Gesamtfläche von rund 60.000 Quadratmetern zu erneuern.

Notwendig wird die Sanierung, weil das Dach an vielen Stellen undicht ist. Regenwasser dringt in die Hallen ein. Bei großen Veranstaltungen müsse das Wasser schon mit großen Folien aufgefangen werden, berichtete Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, die für den stillgelegten Airport zuständig ist. „Das ist ein unsäglicher Zustand“ und „nicht weiter tragbar“.

Deshalb werden in den nächsten Jahren rund zehn Millionen Euro in die Dachsanierung des Airports investiert. Im ersten Bauabschnitt wird zurzeit das Dach über den Hangars 5 bis 7 erneuert. Je nach Witterung soll dieser Teil des Daches bis zum zweiten Quartal 2013 fertig sein. Bis 2015 sollen die übrigen Flächen folgen.

Bauarbeiten mit Denkmalschützern abgestimmt

Die Bauarbeiter brechen erst die bisherige Dachabdichtung und den darunterliegenden Schlackebeton ab. Dann bringen sie im zweiten Schritt die Wärmedämmung auf und dichten diese mit Bitumen ab. Um bei dem 1,2 Kilometer langen Dach in Zukunft neu auftretende Schäden schneller erkennen und lokalisieren zu können, wird im Zuge der Sanierung ein neues Monitoringsystem eingebaut. Dieses System soll neu auftretende Schäden wie undichte Stellen und eindringendes Wasser vollautomatisch an einen Zentralcomputer im Flughafengebäude melden.

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Diese Leckmeldeanlage soll teure Reparaturen vermeiden helfen, weil Schäden schnell behoben werden können. Immer dann, wenn Veranstaltungen wie die Modemesse Bread & Butter in den Hangars stattfinden, sollen die Bauarbeiten ruhen. Während der Arbeiten sind die Flächen unterhalb der Baustelle aus Sicherheitsgründen gesperrt, damit niemand durch herabfallende Steine verletzt wird. Die Bauarbeiten wurden mit den Denkmalschützern abgestimmt. Ziel sei eine behutsame Sanierung des „größten Baudenkmals Europas“, sagt Steindorf.

Für die Zeit nach der Sanierung wird derzeit ein Dachnutzungskonzept erarbeitet. Zwar stehen Einzelheiten noch nicht fest, doch ist daran gedacht, auf dem Dach eine Photovoltaikanlage zu errichten. Dafür eignet sich der vordere Teil des Daches mit einer Fläche von 35.000 bis 40.000 Quadratmetern, der zum ehemaligen Rollfeld zeigt. Auch eine Dachterrasse mit einem Restaurant ist im Gespräch – im hinteren Teil des Daches, wo die Nazis eine Tribüne errichten wollten. Vorher muss aber noch einiges getan werden: Von den Dächern müssen etwa 3000 Kubikmeter Bauschutt entsorgt werden.