Im Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen Fußballprofi Sebastian Deisler und einem seiner früheren Berater um mehrere Hunderttausend Euro ist es am Donnerstag zu keiner gütlichen Einigung gekommen. Christine Pott, Richterin am Landgericht, muss nun entscheiden, ob Deisler Geld aus Immobiliengeschäften in Berlin zusteht.

In dem Prozess geht es vordergründig um eine Wohnung, die Deisler 2008 in Zehlendorf gekauft hat – 385.000 Euro für 130 Quadratmeter. Zusätzlich steckte er 435.000 Euro in den Umbau, insgesamt also bezahlte er 820.000 Euro. Die Immobilie sollte als Wohnung und als repräsentatives Büro für ihn als Sportsmanager dienen. Entworfen hatte die Idee Deislers damaliger Vermögensberater Gunter G. Doch die Beziehung zerbrach, Deisler ging nicht ins Sportsmanagement. 2009 verkaufte er die Wohnung für 465.000 Euro, machte also 355.000 Verlust. Wegen der Einbauten war sie nicht teurer zu verkaufen. Diesen Verlust möchte Deisler jetzt von Gunter G. ausgeglichen haben.

Anders als Sebastian Deisler ist Gunter G. an diesem Donnerstag vor dem Landgericht am Tegeler Weg erschienen, schwieg jedoch. So redete nur sein Anwalt Karl-Josef Stöhr. Dieser brachte vor, dass Deisler den Vertrag mit der Summe von 820 000 Euro unterschrieben habe, er sei also keineswegs hintergangen worden. Im Übrigen sei das Investment so schlecht nicht gewesen. Hätte Deisler nicht überstürzt verkauft, hätte es sich wahrscheinlich am Ende sogar gelohnt, so der Anwalt: „Es gibt heute kein sichereres Investment als eine Wohnung in Berlin zu haben.“

Leicht lenkbarer junger Mann

Deislers Anwalt Axel Kozak hatte einen schweren Stand. Er zeichnete das Bild eines leicht lenkbaren jungen Mannes mit viel Geld und noch mehr Problemen. Deisler habe Sinn und Zweck des Kaufs und des Umbaus tatsächlich nicht recht verstanden – und Sportsmanager habe er auch nicht werden wollen. Als Berater hätte Gunter G. das wissen müssen. Stattdessen habe dieser berufliche und private Interessen miteinander verquickt. So habe G. in der Wohnung wohnen wollen.

Ende der 90er-Jahre galt Deisler als Wunderkind des deutschen Fußballs, er war das „Jahrhundert-Talent“ oder „Basti fantasti“. Sein Bundesligadebüt gab der Badener mit 18 Jahren bei Borussia Mönchengladbach, 1999 wechselte er zu Hertha BSC – damals ein Karrieresprung. 2002 ging er zum Branchenprimus Bayern München, mit dem er dreimal Meister wurde. Für diesen von den Berliner Fans heftig kritisierten Wechsel kassierte Deisler 20 Millionen D-Mark Handgeld.

Deisler schien am Beginn einer Weltkarriere zu stehen. Doch der auf dem Fußballplatz so geschickte Mittelfeldkicker war offensichtlich nicht ausreichend stabil für das Geschäft Profifußball. Immer wieder verletzte er sich am Knie. Dann wurden seine Depressionen öffentlich. Er begab sich in eine Klinik und ließ sich behandeln. Nach einigen Monaten kehrte er auf den Platz zurück, wirkte aber nie befreit. 2007 beendete Deisler seine Fußballkarriere – im Alter von 27 Jahren.

Noch zu Deislers aktiver Zeit hatte es öfter Geschichten über „falsche Freunde“ gegeben, die den Jungmillionär ausnutzten und zu windigen Investments überredeten.

Die Richterin kündigte eine Entscheidung für den 5. Dezember an.