Berlin - Der frühere Innen-Staatssekretär Bernd Krömer ist Christdemokrat – da hat er vielleicht gute Verbindungen nach ganz oben, um eine Wunderheilung zu erlangen: Hatte er sich für seine Vernehmung am Freitag im Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz noch mit einem ärztlichen Attest krankgemeldet, lief er am Sonntag beim Berlin-Marathon mit.

Der Ausschuss-Vorsitzende Burkard Dregger (CDU) kommentierte das mit unverkennbarem Spott. „Es ist interessant, dass er diese bedeutende sportliche Leistung erbringen konnte, obwohl er zwei Tage vorher noch akut erkrankt war.“ Er hätte das Attest, das Krömer vorgelegt hatte, akzeptieren müssen. Nur wenn ein Zeuge unentschuldigt nicht erscheine, könne man ihn mit einem Ordnungsgeld belegen, unter Umständen sogar vorführen lassen.

Keine Stellungnahme am Montag

Dregger will Krömer erneut vorladen, und falls der dann wieder krank sein sollte, ein „qualifiziertes Attest“ verlangen, dass die Vernehmungsfähigkeit ausschließt. Die Möglichkeit einer amtsärztlichen Untersuchung schließt Dregger gegenwärtig noch aus.

Krömer reagierte am Montag nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Am Sonntag nach dem Lauf hatte er noch verlauten lassen, dass ihm sein Arzt Sport empfohlen habe, und dass er bereit sei, sich zu den Erkenntnissen über Anis Amri vor dessen Anschlag vom 19. Dezember 2016 mit zwölf Toten befragen zu lassen, wenn er erneut vorgeladen werde.

Da kann man nur hoffen, dass die Wirkung der Wunderheilung anhält. Beim Marathon funktionierte sie gut: Krömer landete bei knapp 44.000 Teilnehmern auf Platz 21.917, brauchte für die 42,195 Kilometer 4:37 Stunden. Beim Marathon 2014 war er nach 40 Kilometern zusammengeklappt, wurde mit Kreislaufkollaps für einige Stunden ins Krankenhaus gebracht.