Weniger mit seinem selbst gewählten Hauptberuf – der Mandatsausübung im Abgeordnetenhaus – als vielmehr mit einem neuen Nebenjob ist der Ex-Pirat Christopher Lauer in die Schlagzeilen geraten. Der Job sorgt in sozialen Netzwerken für Kritik, denn der Arbeitgeber, die Axel Springer Gruppe, ist nicht überall beliebt. Lauer schreibt auf seiner Internetseite, er werde von Januar bis März 2015 für eine „Beratung der Axel Springer SE in Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit“ honoriert.

Das monatliche Engelt lässt sich sehen: Laut Lauer geht es um eine Summe der „Stufe 2“. Dies bezieht sich auf die Richtlinien des Bundestags zur Veröffentlichung von Nebentätigkeiten: Stufe 2 bedeutet zwischen 3501 und 7000 Euro. Auffällig ist, dass Lauer – der sich als „gläserner Abgeordneter“ rühmt, sämtliche Vergütungen offenzulegen – beim Springer-Job nur eine vage Stufe nennt und nicht, wie bei etlichen Publikationen in Zeitungen, das exakte Honorar in Euro.

Lauer erklärte auf Anfrage, dass es eine Vereinbarung zwischen ihm und Springer gewesen sei, die genaue Summe nicht zu nennen. Lauer wies darauf hin, dass er nach dem Berliner Abgeordnetengesetz zu überhaupt keinen öffentlichen Angaben verpflichtet sei. Nur dem Parlamentspräsidenten müssen Abgeordnete einen Nebenjob mitteilen. Er werde seinen eigenen Maßstäben gerecht, betonte der ehemalige Landesvorsitzende der Piratenpartei.

Bei Twitter sorgte die Nachricht für Häme bis Schmähkritik. Lauer wurde als Lobbyist oder Verräter tituliert. In der Tat hat er sich mit dem auffälligen Job zumindest in einen Selbstwiderspruch begeben. Im Oktober hatte Lauer in der Springer-Zeitung „Die Welt“ angemerkt, es gebe in der Hauptstadt kaum eine kritische Medienöffentlichkeit, auch weil „Lokaljournalisten in Berlin gerne mal von Senatsverwaltungen oder Fraktionen des Abgeordnetenhauses als Moderatoren von Podien gebucht werden.“ Lauer: „Ein Schelm, wer sich denkt, das könnte sich in irgendeiner Form auf die Berichterstattung auswirken.“