Tauchen ist ein Hightech-Sport. Wer sich für längere Zeit unter Wasser begibt, muss vor Kälte geschützt und mit Atemluft versorgt sein. Spezialkleidung und viel technisches Gerät garantieren das Überleben in einem Element, für das der Mensch biologisch nicht geschaffen ist. Ohne Technik ging es auch vor gut 60 Jahren nicht.

Aber damals mussten die Taucher vieles selber bauen. Gut hundert solcher Exponate – von Masken über Messgeräte bis hin zu Unterwasserkameras – sind seit gut einem Jahr im Sporttaucher-Museum in Köpenick zu sehen. Das Museum im Klubhaus mehrerer Wassersportvereine am Dahmeufer ist das einzige seiner Art in Deutschland.

Hans Hass als Vorbild

„Wir mussten schon sehr findig sein damals“, sagt Otmar Richter. Der heute 77-Jährige leitet das kleine Museum, das er gegründet und aufgebaut hat. Richter ist Schauspieler, zu DDR-Zeiten war er sehr bekannt. Er spielte unter anderem an der Volksbühne in Berlin und im Theater Senftenberg, nach der Wende auch im Theater am Kurfürstendamm im Westteil der Stadt. Von 1969 bis zur Abwicklung im Jahr 1991 gehörte er zum Ensemble des DDR-Fernsehens. Später sah man ihn dann in Serien wie „Das Traumschiff“, „Unser Charly“ und „Soko Wismar“.

Schon lange vor der Leidenschaft zur Schauspielkunst aber entdeckte er seine Liebe für den Tauchsport. Als er Anfang der 1950er Jahre einen Dokumentarfilm des österreichischen Zoologen Hans Hass aus dem Roten Meer sah, so erzählt er, habe er sich gesagt: „Das will ich auch!“ Er wurde Mitglied der Tauchsport-Arbeitsgemeinschaft im Haus der Jungen Talente in Mitte. Dort bauten sie alles, was Taucher für ihr Hobby benötigten. Und sie waren recht erfinderisch dabei.

„Für Masken klebten wir Glas und Gummi zusammen. Und Metallflaschen, in die Atemluft gepresst wurde, lagen noch aus Kriegszeiten herum“, sagt er. Und wie kam die Luft in die Flaschen? „Wir sind zu den Russen nach Wünsdorf gefahren und haben Wodka gegen ausgemusterte Kompressoren aus Jagdflugzeugen getauscht“, erzählt er.

Der Vorderlader wurde konfisziert

Den Antrieb für den Kompressor bauten sie aus dem Motor eines Mopeds, und Tiefenmesser entstanden aus Reifendruckprüfern. Und wer wie Otmar Richter unter Wasser auch filmen oder fotografieren wollte, musste für seine Kamera natürlich auch noch wasserdichte Gehäuse bauen. Zunächst waren es Acht-Millimeter-Schmalfilme, für die der leidenschaftliche Wassersportler in Seen im Berliner Umland tauchte. Im Jahr 1978 drehte er sogar einen Fernsehfilm, der unter Wasser spielte. Für „Amor holt sich nasse Füße“ stellte ihm die Defa eine Spezialkamera zur Verfügung, die umgerechnet 120.000 Euro kostete.

Nach dem Mauerfall konnte Otmar Richter endlich in Gewässern tauchen, die bis dahin für ihn tabu waren. Allein zwölfmal waren er und seine Frau, die sein Hobby teilt, in Ägypten, sie tauchten auch in der Karibik und im Stillen Ozean. Tausende Unterwasser-Fotos lagern in seiner Wohnung in Lichtenberg, einige hängen im Köpenicker Klubhaus an der Wand.

Aus gesundheitlichen Gründen hat er das Tauchen inzwischen aufgegeben. Doch die Mitglieder seines Tauchsportclubs Adlershof sind weiter sehr aktiv. So holen sie jedes Jahr für die BSR Gerümpel wie Fahrräder, Mopeds und aufgebrochene Tresore aus der Spree. „Einmal war sogar ein Vorderlader aus dem 18. Jahrhundert dabei, den hat leider die Polizei konfisziert“, sagt Otmar Richter. Die historische Waffe hätte er schon gern in seinem Museum gezeigt.

Sporttaucher-Museum: Klubhaus Pro Sport, Wendenschlossstraße 420 (kurz vor der Fähre nach Grünau), Do 17–20 Uhr, Sonderführungen können unter T. 0170–340 91 48 vereinbart werden.