Die geplante Erweiterung des Bundeskanzleramts im Parlaments- und Regierungsviertel kommt die Steuerzahler teuer zu stehen. Pro Quadratmeter Nutzfläche soll der Bürobau 17.968 Euro kosten – und damit teurer werden als der aktuelle Dienstsitz des deutschen Regierungsoberhaupts. Sogar das neue Stadtschloss wird – bezogen auf den Quadratmeterpreis – nicht annähernd so teuer wie die Erweiterung der Regierungszentrale.

Kanzleramt begründet Kosten mit höheren Sicherheitsanforderungen

Das geht aus einem Bericht des Bundeskanzleramts hervor, den die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke) angefordert hat. Der Bericht liegt der Berliner Zeitung vor. Der Bau des im Jahr 2001 fertiggestellten Kanzleramts kostete danach umgerechnet 262,5 Millionen Euro. Berücksichtigt man die Preisentwicklung der vergangenen Jahre, entspricht dies heute laut dem Bericht einem Betrag von rund 411 Millionen Euro.

Die Kosten in dem alten Gebäude belaufen sich pro Quadratmeter auf 16.214,94 Euro – was etwa zehn Prozent unter den nun veranschlagten Ausgaben für den Erweiterungsbau des Kanzleramts liegt. Der soll 460 Millionen Euro kosten – allerdings mit Stand der Kostenermittlung vom November 2018. Bis zur Fertigstellung dürfte der Erweiterungsbau eher noch teurer werden. Der Bau des neuen Berliner Schlosses (Humboldt Forum) kostet dem Bericht zufolge rund 13.465 Euro je Quadratmeter.

Das Kanzleramt begründet die hohen Kosten des geplanten Neubaus in dem Bericht insbesondere mit den höheren Sicherheitsanforderungen, weil der Erweiterungsbau direkt auf der Grundstücksgrenze im Kanzlerpark entsteht. Zugleich führt es an, dass in dem Neubau „Funktionsbereiche“ wie zum Beispiel ein Hubschrauberlandeplatz entstehen, die der Gesamtliegenschaft dienen. Außerdem seien im Vergleich zum Bestandsbau heute höhere Anforderungen an ein solches Projekt umzusetzen, zum Beispiel zur Energieeinsparung, zur Nachhaltigkeit des Bauens oder zur Barrierefreiheit.

400 Büros, eine Kita und eine 250 Quadratmeter große Dienstwohnung

Wie berichtet, soll der Erweiterungsbau nach Plänen der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank entstehen, die bereits das 2001 fertiggestellte Kanzleramt entworfen haben. Ihr im Januar präsentierter Entwurf sieht den Bau eines 22 Meter hohen, bogenförmigen Gebäudes vor, das die Gestalt des jetzigen Kanzlerparks übernimmt. Insgesamt sind rund 400 Büros geplant. Darüber hinaus entstehen eine Kita, ein Veranstaltungsbereich, eine Kantine und eine 250 Quadratmeter große Dienstwohnung für das Regierungsoberhaupt. Außerhalb des Erweiterungsbaus ist ein Post- und Logistikgebäude geplant. Neben der Brücke, die es bereits jetzt zwischen Kanzleramt und Kanzlerpark gibt, ist südlich eine weitere Fußgängerbrücke über die Spree geplant.

Der Erweiterungsbau des Kanzleramts wird dem Bericht zufolge nötig, um die gestiegene Zahl von Mitarbeitern unterzubringen. Von 410 Mitarbeitern im Jahr 2001 habe sich die Zahl der Beschäftigten bis jetzt um 340 erhöht. Diese sind zum Teil in anderen Gebäuden untergebracht. Die Mietzahlungen dafür belaufen sich laut dem Bericht auf 3,7 Millionen Euro jährlich.

„Diese Planungen zeigen deutlich, wie weit sich die Regierenden schon vom Volk entfernt haben“

Die Notwendigkeit für den Bau einer weiteren Brücke über die Spree begründet das Kanzleramt unter anderem damit, dass die jetzige Brücke mit der Inbetriebnahme des neuen Post- und Logistikbereichs für den Transport von Post und Waren sehr viel stärker genutzt werden wird. Zur Entlastung sei deswegen eine zusätzliche Fußgängerbrücke nötig.

Die Linken-Abgeordnete Lötzsch übt Kritik: „Es sollte ein Erweiterungsbau des Bundeskanzleramtes werden, doch die Kosten lassen vermuten, dass es ein zweites Schloss werden wird“, sagt sie. „Diese Planungen zeigen deutlich, wie weit sich die Regierenden schon vom Volk entfernt haben“, so Lötzsch. „Wir brauchen keine weiteren Schlösser und Festungen in Berlin.“