Noch drei Wochen Zeit bleiben im Wahlkampf. Und gerade in Berlin lohnen sich die Bemühungen der Parteien offensichtlich. Denn wie eine exklusive Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung zeigt, wandelt sich das Stimmungsbild derzeit deutlich – sowohl in Bezug auf die Wahlabsichten zum Bundestag, als auch vor dem Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens Tegel, der gleichzeitig stattfindet.

Laut Forsa würden derzeit 61 Prozent der Berliner dafür stimmen, den West-Berliner Flughafen weiterzubetreiben. Eigentlich soll er nach der Eröffnung des BER geschlossen werden. Das ist ein deutlicher Vorsprung der Befürworter. Allerdings ist er seit Anfang des Jahres klar geschrumpft.

Damals ermittelte Forsa eine Unterstützung von 73 Prozent für die Offenhaltung. Deutlicher als im Winter entspricht die Meinung der Umfrageteilnehmer auch den Positionen der Parteien, die sie unterstützen.

Die Anhänger der Oppositionsparteien wollen Tegel offen halten. Das Stimmungsbild ist hier sehr klar. So unterstützen 88 Prozent der FDP-Wähler die Forderung ihrer Partei nach der Offenhaltung, bei der CDU sind es 70 Prozent.

Viele Berliner überprüfen gerade ihre Standpunkte

Die Koalitionsparteien konnten ihre Anhänger noch nicht im gleichen Maß mobilisieren. So sind nur 55 Prozent der Grünen-Wähler in der Tegel-Frage einer Meinung mit ihrer Partei. Die Zahlen zeigen, dass SPD, Linke und Grüne noch Überzeugungsarbeit bei ihrer Klientel zu leisten haben. In der Tegel-Frage wurden die Koalitionsparteien erst spät aktiv – ihnen bleiben nun noch drei Wochen, um die Stimmung zu wenden.

Das Engagement könnte sich auszahlen, denn offenbar überprüfen viele Berliner derzeit ihre Standpunkte. Das bekommt besonders die CDU zu spüren. Forsa ermittelt einen deutlichen Rückgang für die Union bei den Wählerpräferenzen. Zwar wäre sie stärkste Kraft, wie auch bei den vorigen Wahlen. Allerdings ist der Vorsprung zur SPD unter den Berliner Wählern deutlich geschrumpft.

26 Prozent würden laut Forsa der CDU und ihrer Spitzenkandidatin Angela Merkel ihre Stimme geben, das ist ein Rückgang um fünf Prozentpunkte. Die SPD hingegen legt leicht zu auf 23 Prozent – damit ist ihr Wahlziel greifbar, stärkste Partei in der Hauptstadt zu werden. Spitzenkandidat Martin Schulz ist allerdings nicht sonderlich populär. 27 Prozent der Berliner Wähler wünschen ihn sich als Kanzler.

Angela Merkel kommt auf 40 Prozent, ist also anders als Schulz deutlich populärer als ihre Partei. Vom Rückgang profitiert die FDP. Sie legt vier Prozentpunkte zu und käme laut Forsa nun auf 11 Prozent. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg, offenbar zahlen sich die Tegel-Kampagne des Berliner Landesverbandes aus.

Nach den Koalitionspräferenzen gefragt, wird Rot-Rot-Grün am häufigsten genannt

Rechnerisch ergibt sich unter den Berliner Wählern dennoch erstmals seit längerer Zeit eine knappe Mehrheit für Rot-Rot-Grün im Bundestag, zusammen kämen die drei Parteien in der Hauptstadt auf 49. Das Stimmungsbild in der Hauptstadt unterscheidet sich damit deutlich vom Rest des Landes, wo das Mitte-Links-Bündnis in aktuellen Umfragen nur auf rund 40 Prozent kommt.

Nach den Koalitionspräferenzen gefragt, wird ebenfalls Rot-Rot-Grün am häufigsten genannt. 23 Prozent würden sich die Berliner Regierungskoalition auf Bundesebene wünschen. Unbeliebt ist dagegen die große Koalition – nur 16 Prozent der Berliner wünschen sich eine Fortsetzung. Als Forsa kürzlich in ganz Deutschland nach der politischen Stimmung fragte, lag Schwarz-Rot dagegen deutlich vorn.

Die Berliner ticken also anders als der Rest des Landes. Und sie halten das Rennen für offen. 49 Prozent der Befragten glauben, dass bis zum 24. September noch größere Veränderungen möglich sind.

Forsa befragte für die Studie 1005 Berliner. Die Umfrage fand vom 22. bis zum 30. August statt.