Exklusiver Immobilien-Deal in Berlin geht am Fiskus vorbei

Berlin - Die wegen ihrer Mietspekulationen umstrittene dänische Taekker-Gruppe stößt 770 ihrer Berliner Wohnungen wieder ab. Käufer ist der britische Finanzinvestor Round Hill Capital. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. 

Das multinationale Unternehmen von Investor Jørn Taekker hat sein Berlin-Portfolio seit 2005 systematisch aufgebaut. Es stabilisierte die Gruppe während der Finanzkrise 2008. Taekkers zuvor in Kopenhagen erprobte Spekulationsstrategie, die sich auf Altbauten in gentrifizierten Vierteln konzentrierte, folgt einem simplen Schema: Kaufen, wenn es billig ist, konsequent Mieten eintreiben, auf einen Immobilien-Boom hoffen. Dann folgt der teuere Weiterverkauf. 

In Berlin konzentrierte sich Taekker insbesondere auf Kreuzberg. Dem „Spiegel“ sagte er 2012: „Ich konnte nicht verstehen, warum die Preise so tief waren. Jemand musste etwas übersehen haben.“ Und: Taekker verzichtete auf die übliche Luxussanierung seiner Objekte.

Er verkaufte die Wohnungen und Häuser einzeln weiter – oft an Südeuropäer, die ihr Geld in Deutschland während und nach der Eurokrise anlegen wollten. Diese Käufer konnten die erworbenen Wohnungen dann selbst sanieren – und hochpreisig an Berliner vermieten.

Exklusive Spekulationsgesellschaft

Taekker gilt als Prototyp der Spekulanten, die die Preise auf Berlins Immobilienmarkt im Laufe der letzten Jahre massiv in die Höhe getrieben haben. Dass dieser Markt mittlerweile über exklusive Dynamiken verfügt, zeigt auch der aktuelle Sammelverkauf von 770 Wohnungen, dem Großteil des Berliner Taekker-Imperiums. Der Käufer ist ein Investor aus London. Und: Das Geschäft läuft teilweise am Fiskus vorbei.

Taekker verkauft zu einem geheim gehaltenen Preis an den Finanzinvestor Round Hill Capital. Das Geschäft ist ein sogenannter „Share Deal“. Taekker veräußert offiziell nicht die Wohnungen, sondern die Mehrheit an seiner Firma. Der Käufer muss somit keine Grunderwerbssteuer zahlen. Zugleich konnte der Bezirk sein Vorkaufsrecht nicht nutzen – denn auch das gilt nicht im Fall eines Firmenverkaufs.

Round Hill Capital besaß bis vor drei Jahren schon einmal fast 800 Wohnungen in Berlin. Das Paket wurde später für 86 Mio. Euro verkauft. Das erneute Investment dürfte sich, ob der derzeitigen Preisentwicklung am Markt auszahlen. Im Extremfall könnte Round Hill in ein paar Jahren etwa wieder an Taekker veräußern. 

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) prüft eine Bundesratsinitiative, die Share Deals verbietet. Die Rechtslücke, die solche Geschäfte überhaupt ermöglicht, müsse verschwinden.