Im Mammutverfahren um den Mord im Reinickendorfer Wettlokal Expekt wird Thomas Groß, der Vorsitzende Richter der 15. Großen Strafkammer, am Dienstag um 15 Uhr das Urteil gegen die zehn Angeklagten verkünden. Damit findet das aufwändigste Rockerverfahren in der Berliner Justizgeschichte ein Ende.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen sieben der angeklagten Rocker um den Hells-Angel-Boss Kadir P. wegen gemeinschaftlichen Mordes eines lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Auch Kadir P. soll nach dem Willen der Anklagevertreter wegen Anstiftung zum Mord die Höchststrafe erhalten. Für den Kronzeugen in dem Verfahren, Kassra Z., hatte die Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen Mordes eine Haftstrafe von zehn Jahren beantragt. Der zehnte Angeklagte, der als Einziger nicht in Untersuchungshaft sitzt, soll lediglich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt werden.

Nach 25 Sekunden war das Killerkommando wieder abgezogen

Am 10. Januar 2014 hatten 13 teils vermummte Männer das Wettlokal im Gänsemarsch betreten, sie waren in das Hinterzimmer gelaufen, wo Tahir Ö. arglos Karten spielte. Der erste Mann des Trupps, so zeigen es Bilder aus einer Überwachungskamera, zielte auf Tahir Ö. und drückte acht Mal ab, sechs Schüsse waren tödlich. Nach 25 Sekunden war das Killerkommando auch schon wieder abgezogen.

Tahir Ö. war ein Sympathisant der mit den Hells Angels verfeindeten Bandidos. Der 26-Jährige musste offenbar aus Rache für einen drei Monate zuvor stattgefundenen blutigen Streit vor einer Diskothek am Alexanderplatz sterben. Dabei soll Tahir Ö. einem Rocker der Hells Angels mit einem Messer schwer verletzt haben.

Kronzeuge vor Gericht: „Es hätte so nicht passieren dürfen“

Das Verfahren wird nach fast fünf Jahren Verhandlungsdauer zu Ende gehen - am 300. Verhandlungstag. 346 Zeugen wurden gehört, 26 Sachverständige sagten aus. Von ihrem letzten Wort vor der Urteilsverkündung machte lediglich Kassra Z., der Kronzeuge, Gebrauch. Er sagte am Montag, er wolle der Familie des Opfers sagen, dass ihm die Tat unfassbar leid tue.

„Es hätte so nicht passieren dürfen.“ Was immer geschehen sei, es rechtfertige nicht den Ausgang der Geschichte. Er hoffe, dass die Familie von Tahir Ö. eines Tages auf irgendeine Art und Weise wieder Fuß fassen könne und mit dem Geschehen klar komme.