Am 8. Dezember wird erst einmal gefeiert. Mit Sonderzügen für Polit- und andere Prominenz wird ein weiterer Abschnitt der Schnellstrecke zwischen Berlin und Bayern in Betrieb genommen.

Am 10. Dezember soll zwischen Erfurt in Thüringen und Ebensfeld in Franken der reguläre Betrieb beginnen. Berlin ist dann per Zug nur noch vier Stunden von München entfernt. Schön für die Fahrgäste – doch für ihren Betreiber DB Netz wird der drei Milliarden Euro teure Neubauabschnitt ein Verlustgeschäft sein.

„Die Hochgeschwindigkeitsstrecke im Thüringer Wald ist mit Abstand die teuerste Neubaustrecke dieser Art in Deutschland“, sagte Dieter Schneiderbauer, Chef des Beratungsunternehmens ECM Ventures, der Berliner Zeitung. „Mit maximal zwei ICE-Zügen pro Stunde in beiden Richtungen wird die Nutzung in der ersten Zeit eher schwach sein. So lange es bei dieser geringen Zahl von Zügen bleibt, wird sich die Strecke nicht tragen. Damit wird sie für den Betreiber DB Netz ein Zuschussgeschäft sein.“

Zwar ist die Trasse nicht nur für Reisezüge vorgesehen. „Ich rechne aber nicht damit, dass die Neubaustrecke im Güterverkehr eine Rolle spielen wird“, so der Verkehrsexperte. „Das liegt nicht nur daran, dass es zwischen Mitteldeutschland und Bayern kaum Bedarf für Bahntransporte gibt. Einer der beiden wichtigsten Nord-Süd-Korridore für überregionale Güterzüge, der über Fulda und Würzburg verläuft, ist nicht weit entfernt. Ein weiterer Korridor, der von Hamburg über Stendal nach Süden und ab Hof durch Bayern führen wird, wird derzeit ausgebaut.“ In der Tat wurde bislang kein Güterzug angemeldet.

Weitere Regionalverbindungen könnten dazu kommen

Doch der Personenverkehr habe großes Potenzial, sagte Mike Flügel von der Deutschen Bahn. „Er wird sich entwickeln.“ Ein erstes Beispiel seien die schnellen Regionalzüge, die zwischen Coburg und Bamberg fahren werden – sie waren anfangs nicht eingeplant. Weitere Regionalverbindungen könnten dazu kommen: „Erfurt und Leipzig boomen.“

„Derzeit ist Thüringen, was den Nahverkehr auf der Neubaustrecke anbelangt, noch hinten dran“, so Schneiderbauer. „Das Land wird aber nicht darum herumkommen, wie Bayern mit dem FTX zwischen Coburg und Bamberg, schnelle Regionalzüge auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zu bestellen.“

Die Neubautrasse sei ein „politisches Projekt, das im Überschwang der Wiedervereinigung Deutschlands ersonnen wurde“. Hätte man damals ausschließlich wirtschaftliche Kriterien angelegt, wäre es nicht verwirklicht worden, sagte der Experte. Doch nun steht das Herzstück vor der Fertigstellung. „Die Wirkungen auf den Fernverkehr werden spürbar sein, Erfurt wird ICE-Knoten, und neue Pendlerströme – sowohl nach Nordbayern als auch nach Berlin – werden entstehen.“