„Lärm hängt ganz stark von der Bewertung ab“, sagt der Umweltpsychologe Rainer Guski im dapd-Interview. Zwar reagiere der Körper auf jegliche Art von Lärmbelastung, „er reagiert in diesem Fall aber weniger stark als bei Personen, die über Lärm verärgert sind“, erklärte der Bochumer Wissenschaftler. Fluglärm werde allgemein negativ bewertet, betonte er.

Bei einer solchen negativen Bewertung seien auf jeden Fall die unmittelbaren Reaktionen stärker, sagte der Experte. „Ob das auch langfristig dazu führt, dass Menschen, die sich über Fluglärm mehr ärgern als andere, häufiger Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt bekommen, ist wahrscheinlich, aber bisher nicht bewiesen.“

Fluglärm erhöht Blutdruck

Guski verwies auf eine 2010 veröffentlichte Schweizer Studie, wonach das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent steigt, wenn jemand zehn Jahre oder länger einer Dauerbelastung von mehr als 60 Dezibel ausgesetzt ist. Viele Untersuchungen wiesen außerdem darauf hin, dass Fluglärm kurzfristig den Blutdruck erhöhe.

Nacht von 22 bis 6 Uhr

Nachts würden Geräusche als besonders störend wahrgenommen, sagte er. Sinnvoll sei es deshalb, die Nachtruhe besonders zu schützen. Entscheidend sei allerdings, wie ein Nachtflugverbot umgesetzt werde: „In Deutschland gilt die Zeit zwischen 22.00 und 06.00 Uhr als Nacht; wir wissen zugleich, dass die von Lärm betroffenen Menschen die Belästigung zwischen 21.00 und 22.00 Uhr am stärksten empfinden.

"Wenn Nachtflugverbot also bedeutet, dass die Nachtflüge in die Tagesrandzeiten geschoben werden, dann hätten wir keinen Gewinn“, betonte Guski. (dapd)