„Gefällt mir“ ist für viele Jugendliche die wichtigste digitale Währung - als Herzchen oder Daumen. Es gibt sogar virtuelle Handelsplätze: Bei Facebook und Instagram kann man auf Add-Börsen sein Foto hochladen. Dann gibt es von Fremden entweder blöde Sprüche oder ein „Gefällt mir“. Für letzteres muss man – so ist der Deal – die Sympathie-Münze zurückposten.

Auf die gleiche Weise kann man sich fremde Freunde und Follower kaufen. Auch bei der Streaming-Plattform YouNow halten Jugendliche oft ihre Instagram-Namen in die Webcam und bitten: „Folgt mir.“ Bei Twitter heißt es regelmäßig: „Folge mir und ich folge dir.“ Die Zahl der Anhänger ist noch wertvoller als die der Gefällt-Mir-Herzchen. Niemand möchte in sozialen Netzwelten ein „Mensch Ohne Freunde“ sein, ein MOF.

„Du bist schön“: Teenies suchen im Netz Bestätigung

„Herzen und Likes sammeln gehört heute zur Jugendkultur dazu“, meint Medien-Expertin Stefanie Rack von der EU-Initiative klicksafe. Über „Du bist schön“ oder „Ich liebe dich“, wie es sich junge Mädchen oft gegenseitig schreiben, finden Jugendliche Bestätigung und Anerkennung. Damit sie sich dabei nicht verlieren und nur noch für das Bild von sich im Internet leben, können Eltern die neugeborenen digitalen Identitäten bei den ersten Gehversuchen stützen.

In Zeiten von „Ich poste, also bin“ sollten Eltern ihrem Nachwuchs zeigen, wie man das Internet kreativ nutzen kann, in einer kindgerechten Umgebung eigene Inhalte wie Filme, Blogs oder Hörspiele produzieren kann. Webseiten dafür finden Eltern bei „Ein Netz für Kinder“ oder „Klick-Tipps“.

Mit Kindern Situationen üben und Regeln aufstellen

„Kinder müssen sich in einem abgesteckten Rahmen ausprobieren können“, meint klicksafe-Referentin Rack. „Wichtig ist dabei, gleich am Anfang mit dem Kind zusammen klare Regeln aufzustellen. Auch, wenn das für die Eltern anstrengend sein kann.“ Es sollte besprochen werden, welche Inhalte geteilt werden dürfen, wann das Kind die Eltern einschalten muss. Es muss lernen, Privateinstellungen zu benutzen, und wie man jemanden blockieren oder melden kann. Dass keine Personen ohne Einwilligung gefilmt werden sollen und keine Musik im Hintergrund laufen darf.

„Eine Möglichkeit, dem Kind die Regeln nahezubringen, ist die Was-Wäre-Wenn-Methode. Konkrete Situationen durchspielen und es überlegen lassen, welche Folgen die Postings oder Streamings haben könnten.“ Dazu gehört auch die Frage: Würdest du das Gleiche auch vor einer Gruppe von Fremden erzählen oder zeigen? Denn die Intimität des Jugendzimmers ist eine Illusion, wenn man seine Gefühle im World Wide Web ausbreitet.

„Außerdem ist es wichtig, das Kind in der realen Welt zu verankern“, meint Stefanie Rack. Mit Sport, Musik oder einem anderen Hobby. Durch Wertschätzung - der Eltern und der analogen Freunde.

Materialien und Tipps:

Der Text erschien ursprünglich auf meincomputerkind.de