Berlin - Der ehemalige Kaufhof am Ostbahnhof dürfte nach seiner Umgestaltung kaum wiederzuerkennen sein. Der Grundstückseigentümer, der österreichische Signa-Konzern, hat seine Pläne jetzt vor dem Baukollegium des Senats präsentiert. Das Gremium, das Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in Fragen der Stadtgestaltung berät, bezeichnete die Konzeption als „plausibel“, äußerte aber noch einige Wünsche. Neben dem Projekt am Ostbahnhof ging es im Baukollegium um zwei weitere Vorhaben in der City-West und in Kreuzberg.

Ex-Kaufhof

Im vergangenen Jahr wurde der Kaufhof am Ostbahnhof geschlossen – jetzt will der Signa-Konzern das Gebäude zu einem Büro- und Geschäftshaus mit gläserner Fassade ausbauen. Hauptnutzer soll der Online-Händler Zalando werden, der in der Nähe des Ostbahnhofs gerade seine neue Unternehmenszentrale errichtet. Für die Nahversorgung sind im ehemaligen Kaufhof Restaurants, ein Ärztehaus, eine Apotheke und ein Supermarkt geplant. Vorgesehen ist, das 80 mal 80 Meter große Kaufhausgebäude komplett umzubauen.

Nach einem Entwurf des Architekten Martin Jasper sind an den vier Seiten keilförmige Einschnitte geplant. Dadurch soll mehr Licht in das Haus kommen. Die Flächen, die durch die Einschnitte verloren gehen, sollen auf das bestehende Gebäude als Staffelgeschosse aufgesetzt werden, skizzierte der Architekt seine Pläne. Das Haus soll dadurch in der Höhe von derzeit 40 Meter auf rund 46 Meter wachsen.

Die Haustechnik soll vom Dachgeschoss ins Gebäude verlegt werden. Das macht es möglich, die freien Flächen auf dem Haus als Terrasse zu nutzen, so Jasper. Signa will rund 100 Millionen Euro in dem Umbau investieren. Im Jahr 2020 soll das Projekt mit dem Namen UP! fertiggestellt sein. Die Arbeiten haben bereits begonnen: die Fassade des 1979 errichteten Centrum-Warenhauses wird gerade abgebaut.

Das Baukollegium befand, die Konzeption des Projekts sei „plausibel“. Kees Christiaanse, Architekt und Stadtplaner aus Rotterdam, sagte aber, man wünsche sich mehr Informationen über den städtebaulichen „Kontext“ – um die Abhängigkeit des Projekts zur Umgebung zu klären. Außerdem solle darauf geachtet werden, dass das Gebäude als eine Einheit erscheine. „Wir empfehlen, nicht zu sehr zu differenzieren“, bekräftigte Manfred Kühne, Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Kühne vertrat bei der Sitzung am Montagnachmittag die kurzfristig erkrankte Senatsbaudirektorin.

KaDeWe-Parkhaus

Das alte Parkhaus des KaDeWe an der Passauer Straße soll abgerissen werden. Der Signa-Konzern will an gleicher Stelle nach Plänen des Architekten Arnold Ernst ein Büro- und Geschäftshaus zwischen dem Gründerzeitbau an der Passauer Straße 4 und dem Schuhhaus Leiser errichten. Im rückwärtigen Teil des Grundstücks ist ein etwa 50 Meter hoher Büroturm vorgesehen.

Das Parkhaus soll nicht ersatzlos verschwinden. Die Stellplätze sollen unter die Erde verlegt werden. Zwei Geschosse sind für eine Einzelhandelsnutzung vorgesehen, der Rest für Büros. Die steinere Muschelkalkfassade des KaDeWe soll „zitatenhaft“ in der Fassade des Neubaues auftauchen, sagte Architekt Ernst. Ansonsten dominiert Glas seinen Entwurf. Damit mochte sich das Baukollegium offenbar nur schwer anfreunden.

Am Ende empfahl das Gremium eine kräftigere Gliederung der Fassade – etwa durch eine Brüstung. Außerdem regte es an, die Technikaufbauten vom Dach des Neubaues an der Straße in ein Zwischengeschoss zu verlagern. Um dadurch attraktive Flächen auf dem Dach zu gewinnen. Der Investor zeigte sich aufgeschlossen. „Wir möchten eine gute Lösung für uns alle finden“, sagte Signa-Prokurist Reiner Müller. Signa will 2019 mit dem Bau beginnen und die Gebäude bis 2021/22 fertigstellen.

Wohnungen in Kreuzberg

Die Unternehmensgruppe Tengelmann hat sich zwar von ihren Kaisers-Supermärkten getrennt, verfügt aber noch über viele Grundstücke. Auf diesen sollen jetzt verstärkt Wohnungen gebaut werden. Die ersten 170 Mietwohnungen sind an der Köpenicker Straße in Kreuzberg auf einem Grundstück geplant, auf dem früher ein Netto-Supermarkt stand.

Der Entwurf des Architekten Sergei Tchoban sieht vor, dass sich die Wohnungen mit großen Balkonen zur Spree orientieren. Vorgesehen ist ein Anteil von 30 Prozent Sozialwohnungen. Die im Baukollegium präsentierten Zeichnungen zeigten zwar eine abwechslungsreiche Fassade, doch auf den Computersimulationen war davon wenig zu sehen.

Das Baukollegium empfahl deswegen eine Überarbeitung. „Wenn es so wird wie ihre Zeichnung, sind wir glücklich.“ Trei Real Estate heißt die Immobiliengesellschaft von Tengelmann, die die Projekte realisieren soll. Sie plant derzeit insgesamt 600 Wohnungen in Berlin.