Extremsatire: Israelische Künstlerin Natali Cohen Vaxberg knöpft sich Donald Trump bei Youtube vor

In ihrem neuesten Video, dessen Youtube-Link sie gerade verschickte, spielt die israelische Künstlerin Natali Cohen Vaxberg ein vierjähriges Mädchen, das dem US-Präsidenten Donald Trump ihre Gebärmutter zum Geschenk macht. Und die ihrer Kindergartenfreundinnen.

Und ihrer Mutter. Damit sie und all die anderen nicht etwa in Versuchung kommen, irgendwann eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Und weil es doch gut sei, die Gebärmütter der Welt – analog zum Kapital – in den Händen der Happy Few zu wissen.

Die 1983 geborene Künstlerin, die als Schauspielerin und Dramatikerin ausgebildet wurde, kniet dabei in Netzstrumpfhose, einem Röckchen aus dem Stoff einer US-Flagge, mit Schnuller und knallrot angemaltem Mund auf einem Sofa mit Stofftieren und kräht in ihrer nervtötendsten Babystimme. Aber sie trifft einen Punkt.

„Vergiss nicht, von wem du gelernt hast“

Wie sie mit ihrer Extremsatire immer einen Punkt der israelischen und internationalen Politik trifft, ob es um Militarisierung geht, Instrumentalisierung von Frauen, die Behandlung von Flüchtlingen oder andere Hegemonialpraktiken.

„How would you manage without the Holocaust?“ heißt ihr umstrittenstes Video, das sie vor fünf Jahren veröffentlichte, und das unter anderem wohl dafür sorgt, dass sie bisher noch nicht nach Deutschland eingeladen wurde.

Sie tritt darin in einem schwarz-roten Negligé als „Shoah“ auf, die vom israelischen Volk endlich den ihr zustehenden Applaus bekommen will. Schließlich habe sie diesem nicht nur zu einem eigenen Nationalstaat verholfen, sondern auch die Aufrüstung mit Atomkraft gerechtfertigt und die Internierung von Millionen Palästinensern... „Denkst du, du kommst ohne mich aus? Wendest du dich gegen deinen Schöpfer? Vergiss nicht, von wem du gelernt hast!“

Hausarrest und Internetverbot

Als „meistgehasste Frau Israels“ wurde Cohen Vaxberg, die türkisch-iranische sowie polnische Wurzeln hat, damals im Fernsehen bezeichnet. Gemeinsam mit einer in Berlin lebenden Freundin, Jasman Wagner, legte sie nach und produzierte ein Video, in dem die beiden in ihren jeweiligen Badezimmern buchstäblich auf quasi sämtliche Flaggen der Welt scheißen.

Als das israelische Militär 2014 in Gaza einmarschierte, stellten sie den Clip, den sie nicht als anti-israelisch, sondern generell anti-nationalistisch verstanden wissen wollen, ins Netz. „Scheiße statt Blut“, war der Titel und die Botschaft. „Was hätten wir dann für eine wunderbare Welt!“

Ihre Mutter warne sie häufig, dass die Leute ihre Absichten vielleicht nicht verstehen würden, erzählte Natali Cohen Vaxberg 2015 in einem Video-Interview mit David Sheen. Tatsächlich rückte die israelische Polizei nach dem Flaggenvideo mit gleich fünf Beamten an, sie wurde verhört und erhielt Hausarrest und Internetverbot.

Definitiv kein künstlerischer Ansatz

Selbstverständlich bekommt sie keinerlei Kunstförderung, und von ihren Dramen, die ich mit den Soz-Art-Stücken von Vladimir Sorokin vergleichen würde, wurden zwei zwar beim Festival in Akko gezeigt, aber bisher nicht nachgespielt.

Trotzdem macht sie weiter. „Ich kann meine Arbeit doch nicht davon abhängig machen, dass andere sie verstehen,“ sagt sie ohne zu zögern. Und so betreten es einen macht, dies im Zeitalter allgegenwärtiger Kulturvermittlung zuzugeben – sie hat Recht. Das wäre definitiv kein künstlerischer Ansatz.