An den Berliner Grundschulen wird der Unterricht in Kernfächern immer noch mehrheitlich von fachfremden Lehrern erteilt. Da verwundert es wenig, dass die hauptstädtischen Grundschulkinder bei Ländervergleichen meist hinten liegen, gerade wenn es um das Lesevermögen, die Rechtschreibung oder die Mathematik-Kenntnisse geht.

Nach neuen Zahlen wird der Deutschunterricht an Grundschulen zu 55,8 Prozent nicht fachgerecht erteilt. Der Matheunterricht wird sogar zu 69,5 Prozent und der naturwissenschaftliche Unterricht zu 72,9 Prozent fachfremd unterrichtet. Die Zahlen beziehen sich auf das Schuljahr 2015/16.

Das alles geht aus einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, Marianne Burkert-Eulitz, hervor. Englisch hingegen wurde nur zu knapp einem Drittel nicht von Fachlehrern erteilt.

„Die Berliner Unternehmen überraschen diese Zahlen nicht“, sagte Marion Haß, Geschäftsführe-rin Wirtschaft und Politik bei der Berliner IHK. „Seit Jahren klagt mehr als jeder zweite Ausbildungsbetrieb über mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse.“ Die Landespolitik müsse dringend dafür sorgen, dass der enorme Zuwachs im Bildungsetat auch zu besseren Bildungsergebnisse führe.

Ausbildung ist bereits reformiert

Laut Bildungsverwaltung haben von den 6300 Lehrern, die Deutsch erteilen, nur 2633 das Fach auch studiert. Von den 5415 Pädagogen, die den Schülern die Freude an der Mathematik vermitteln sollen, haben sogar nur 1365 einen Universitäts-Abschluss in Mathematik. Die meisten Pädagogen haben einfach andere Fächer studiert.

Der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Die Bildungsverwaltung hat bereits darauf reagiert und das neue Lehrerbildungsgesetz beschlossen. Seit dem Semester 2014/15 müssen Studierende des Grundschullehramtes zwingend Deutsch und Mathematik im Studienprogramm haben.

So soll sichergestellt werden, dass die Schüler von ausgebildeten Fachlehrern unterrichtet werden. Kaum war die Regel in Kraft, fielen übrigens auffällig viele Studenten durch die Eingangs-Mathe-Klausuren. Allerdings haben diese neuen Grundschullehrer ihre Ausbildung noch nicht beendet.

An Sekundarschulen ist der Anteil des fachfremden Unterrichtes nur etwas geringer als an Grundschulen; an Gymnasium gibt es ihn hingegen kaum. Die Verwaltung betonte, dass es für fachfremde Lehrer Weiterbildungen gebe.