Fälle Mohamed und Elias: Polizei findet Leiche im Garten von Silvio S.

Die Vermutung, dass der mutmaßliche Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed auch den vermissten Elias aus Potsdam getötet hat, scheint traurige Gewissheit zu werden. Der festgenommene Silvio S. räumte in der Nacht zum Freitag in der Vernehmung ein, den sechsjährigen Jungen im Juli dieses Jahres in Potsdam entführt und kurz darauf getötet zu haben.

Er sagte den Ermittlern, dass er den Leichnam in seinem Kleingarten in Luckenwalde (Teltow-Fläming) vergraben habe. Am Freitagmittag entdeckten Brandenburger Polizisten in der von ihm genannten Kleingartenanlage die Leiche eines Kindes. Mutmaßlich die des sechs Jahre alten Jungen, nach dem die Polizei seit Juli dieses Jahres gesucht hatte. „Erste Untersuchungen am späten Nachmittag ergaben, dass sich in dem Paket ein menschlicher Leichnam befindet“, teilte die Polizei am Freitagabend mit. „Ob es sich dabei um die Leiche des vermissten Elias handelt, kann erst nach Beendigung der gerichtsmedizinischen Untersuchungen gesichert gesagt werden“, hieß es weiter.

Elias war am 8. Juli von einem Spielplatz in Potsdam verschwunden. Hunderte Polizisten suchten wochenlang vergeblich nach dem Jungen.

Der 32-jährige Silvio S. war am Donnerstag im brandenburgischen Dorf Kaltenborn festgenommen worden, nachdem seine Mutter die Polizei gerufen hatte. Sie hatte ihren Sohn auf den Fahndungsbildern wiedererkannt, die die Polizei seit Dienstag in den Medien verbreitet hatte. Nach Silvio S. war gefahndet worden, weil er den vierjährigen Mohamed am 1. Oktober vom Gelände der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Berlin-Moabit entführt haben soll.

Auf einer Pressekonferenz teilten Staatsanwälte und Ermittler aus Berlin und Brandenburg neue Details zum mutmaßlichen Täter Silvio S. mit: Silvio S. lebte allein mit seinen Eltern in Kaltenborn bei Jüterbog. Er war in Teltow bei einem Wachschutzunternehmen angestellt. Diese Firma sei zu keiner Zeit für die Sicherheit an oder in Flüchtlingsheimen zuständig gewesen, sagte der Brandenburger Chefermittler Michael Scharf. „Der Tatverdächtige war ein Einzelgänger ohne feste Bindung, mobil und flexibel“, sagte der Berliner Oberstaatsanwalt Michael von Hagen. Bis zum Donnerstag war er der Polizei in Berlin und Brandenburg nicht als Sexualstraftäter bekannt.

Bewohner von Kaltenborn schockiert und bestürzt

Bislang geht die Polizei davon aus, dass S. ein Einzeltäter ist. Nachdem er den Mord an Elias eingeräumt hatte, sei er sehr wortkarg geworden, so Michael Scharf. Die Vernehmung am Donnerstag dauerte bis zum späten Abend. Er habe dann um eine Pause gebeten, so die Ermittler. Am Freitag wurde er nicht vernommen. Seine beiden Anwälte hätten ihm vorgeschlagen, sich zunächst zurückzuhalten.

Im Fall des getöteten Mohamed sagten Ermittler, dass Silvio S. nicht zur zentralen Aufnahmestelle in Moabit gefahren sein soll, um sich ein Opfer zu suchen. Er habe helfen und Spielzeug spenden wollen, sagte er den Ermittlern. Den vier Jahre alten Mohamed habe er zufällig angetroffen. Dieser sei ihm freiwillig gefolgt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte, er sei tief erschüttert. Die Grünen-Landesparteivorsitzende Bettina Jarasch machte „die chaotischen Zustände“ an der Aufnahmestelle dafür verantwortlich, die dem Täter eine Entführung so leicht gemacht hätten. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich entrüstet über die Äußerungen: „Ich bin fassungslos, wie man dieses Verbrechen so schnell instrumentalisieren kann.“

Viele der knapp 100 Bewohner von Kaltenborn waren am Freitag schockiert und bestürzt, als sie von den Taten hörten. Sie überlegen nun, wie sie als Gemeinschaft der Opfer gedenken können.