Er ist kein Taxi, wie man es kennt, aber auch kein Bus – der Berlkönig liegt irgendwo dazwischen. Berlkönig: So heißt der neue Fahrdienst, der am Freitag in Berlin den Betrieb aufgenommen hat. Vans und Limousinen von Mercedes-Benz befördern Fahrgäste durch die östliche Innenstadt – freitags und sonnabends jeweils von 17 bis 5 Uhr. „Dieses Projekt wird Vorbild sein für viele Städte auf der Welt“, sagte Chris Snyder. Er ist Chef von Via Van. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Mercedes-Benz arbeitet mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zusammen.

Wer mitfahren will, lädt sich eine App aufs Handy und bucht seine Tour. Ein Computer koordiniert die Fahrtwünsche. Ziel ist es, dass sich möglichst viele Fahrgäste die Autos teilen – das senkt die Betriebskosten.

„Eine Ergänzung, keine Konkurrenz“

Der Berlkönig ist teurer als der Nachtbus, aber billiger als ein Taxi. „Ein Kilometer kostet 1,50 Euro, jede Fahrt mindestens vier Euro“, sagt BVG-Digitalvorstand Henrik Haenecke. Registriert der Computer hohe Nachfrage, kommt ein 25-prozentiger Zuschlag dazu. Werden Mitfahrer angemeldet, zahlen diese jeweils nur die Hälfte. Während der ersten drei Wochen kostet eine Tour vier Euro.

Stets müssen Start und Ziel innerhalb des östlichen Rings liegen, auch der Gesundbrunnen- und Michelangelokiez werden bedient. Im Senat stieß die Konzentration aufs Zentrum auf Kritik. Haenecke: „Wir brauchen viele Leute, die gemeinsam fahren. Diese Dichte gibt es nur in der Innenstadt. Wir müssen auf Wirtschaftlichkeit achten.“ Dennoch wird es ein Defizit geben – BVG-Chefin Sigrid Nikutta widerspricht nicht: „Es ist ein gemeinsames Projekt mit ViaVan. Jeder trägt seinen Teil.“

Taxifahrer fürchten Wettbewerb, Verkehrsexperten sorgen sich um die Auslastung der Nachtbusse. „Der Berlkönig ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz“, entgegnet Nikutta.

Rund 5000 Haltestellen

Solche Zwitter zwischen Sammeltaxen und Rufbussen gibt es schon – in Berlin heißen sie Clever Shuttle und Allygator Shuttle. Juristisch werden sie als Mietwagenverkehre eingestuft. Dagegen gilt der Berlkönig für die BVG als „atypischer Linienverkehr“ – diese Feinheit sollte es erleichtern, die Genehmigung nach der Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes zu erhalten. Das Besondere ist, dass die Fahrgäste nicht überall ein- und aussteigen können – nur an 621 Bushaltestellen der BVG und 4423 virtuellen Haltestellen an Straßenecken.

Eine weitere Besonderheit: Nirgendwo sonst bringt ein Nahverkehrsbetrieb so viele Autos dieser Art auf die Straße wie in Berlin, sagt Haenecke. Zunächst setzt ViaVan 50 Mercedes-Autos ein: 40 vollelektrische B250e und zehn Diesel-Vans der V-Klasse. Von der Elektro-B-Klasse stehen schon weitere 40 Fahrzeuge bereit. Wenn der neue eVito Tourer da ist, wird auch er fahren, für die zweite Jahreshälfte sind 19 dieser Elektrofahrzeuge angekündigt. Nach und nach soll die Zahl der Autos auf 150 steigen – möglich sind 300.

Woher kommt der Name? Haenecke erklärt ihn so: Das Camouflage-Muster habe einen Mitarbeiter an „Erlkönige“ erinnert – Auto-Prototypen, die mit Folien beklebt werden, um ihr Aussehen zu verändern. Erlkönig und Berlin ergibt: Berlkönig.