Berlin - Eigentlich könnte der Fahrersitz leer bleiben. Ein Bus, der sich selbstständig orientieren kann und ohne Fahrpersonal auskommt, soll durch die westliche Innenstadt fahren. Das gab Sahin Albayrak, Professor an der Technischen Universität (TU) Berlin, am Montag bekannt. „Er soll im April 2022 den Betrieb aufnehmen“, sagte der Informatiker, der in Berlin das nach seinen Angaben weltweit größte Testfeld für automatisiertes und vernetztes Fahren leitet. Auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat die Technik, die dem Menschen später einmal alle Aufgaben beim Fahren abnehmen soll, entdeckt. Im ADAC Mobility Space können sich Interessierte darüber informieren – bis Freitag täglich von 11 bis 19 Uhr in der Niederbarnimstraße 19 in Friedrichshain.

Simulation: DAI-Labor der TU Berlin
Bitte Platz nehmen für die Reise in die Zukunft der Mobilität. So soll der geplante „Erklärbus“ aussehen.

Von außen wird es ein ganz normaler Elektrobus sein, der nach einem festen Fahrplan verkehrt und zum Nulltarif genutzt werden kann. Doch das Innenleben ist besonders. Kameras, Laserscanner und Ultraschall nehmen das Umfeld ins Visier, ein Computer verarbeitet die Informationen und steuert den Bus. Im futuristisch anmutenden Innenraum zeigen Bildschirme an, was die Messfühler erfassen. „Die Fahrgäste werden dem Bus Fragen stellen können“, so Albayrak. Ein Begleiter ist zur Sicherheit an Bord.

„Niemand kann die Entwicklung mehr stoppen“

BeIntelli – so heißt das Projekt, das die Chancen der Künstlichen Intelligenz in diesem Bereich ausloten will. Im April hatte das Konsortium, dem unter anderem Continental, T-Systems und der Tüv Nord angehören, über den geplanten „Erklärbus“ informiert, der über das autonome Fahren informieren soll. Nun gab Albayrak bekannt, dass es sich um ein zwölf Meter langes Fahrzeug von MAN handeln wird. Eingesetzt wird es auf dem bereits bestehenden urbanen Testfeld in Berlin. Partner sind die BVG und die Bahn.

Die mehr als zehn Kilometer lange Strecke reicht vom Brandenburger Tor über die Straße des 17. Juni, den Ernst-Reuter-Platz und den Kurfürstendamm bis zum Adenauerplatz. Im Tiergarten führt eine zweite Verbindung über die John-Foster-Dulles-Allee. Um die Fahrzeuge zusätzlich zu leiten, ist die Route mit Kameras und Sensoren gespickt – künftig sollen es rund 250 sein. Sie nehmen nicht nur Fahrbahnen und Parkplätze ins Visier, sondern erfassen auch Ampeln, die Wetterlage und die Schadstoffbelastung.

In dem Freiluft-Reallabor sind schon länger automatisierte Testfahrzeuge unterwegs, etwa ein VW Tiguan und zwei Transporter. Allerdings hat sich gezeigt, wie komplex die Aufgabe ist, einen fahrerlosen Verkehr zu organisieren. Doch Albayrak ist sich sicher, dass es in zehn Jahren Technik auf dem höchstmöglichen Level 5 geben wird, die funktioniert und marktreif ist. „Niemand kann die Entwicklung mehr stoppen“, sagte er.