Berlin - Neue Aktion von Unbekannten in der U-Bahn: Fahrgäste der Linie U7 bemerkten am frühen Mittwochmorgen zahlreiche Videokameras in dem hinteren Waggon eines Zugs Richtung Spandau. Zudem waren Werbeflächen mit gelben Plakaten und der Aufschrift „Video“ überklebt.
Fotos von Fahrgästen zeigen, dass es sich bei den „Videokameras“ teils um rechteckige Modelle an Halterungen handelte, wie sie beispielsweise an Häusern zur Überwachung angebracht sind. Teils waren es halbrunde Überwachungskameras, die denen der BVG ähneln. Augenzeugen, die die Aktion am Mittwoch gegen 6 Uhr auf dem Abschnitt zwischen Neukölln und Schöneberg sahen, teilten der Berliner Zeitung mit, einige Modelle hätten geblinkt und sich auch bewegt.

Attrappen von Überwachungskameras

Was man als Aktion gegen Überwachung im öffentlichen Raum interpretieren könnte, stellt sich aus Sicht der BVG erwartungsgemäß anders da. „Das ist Vandalismus“, sagte BVG-Pressesprecherin Petra Reetz auf Nachfrage der Berliner Zeitung. „Und es kostet uns viel Geld.“
Insgesamt 26 Kamera-Attrappen waren laut Reetz an Decken und Wänden des Waggons angeschraubt oder angeklebt. Stromversorgung hätten sie aber nicht gehabt. Nachdem die BVG Kenntnis von der Aktion bekommen hatte, wurde der Zug ausgetauscht. Die Urheber der Aktion haben sich bislang nicht gemeldet.

Über  den Hintergrund der Aktion kann nur spekuliert werden, aber tatsächlich hat die Zahl der Überwachungskameras in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: 14 765 Videokameras überwachen derzeit viele Orte in Berlin, 13 640 davon werden im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt.

Vor allem im Zusammenhang mit Gewalttaten auf U- und S-Bahnhöfen war die Überwachung ausgeweitet worden. 3 270 Kameras ermöglichen Beobachtungen in Echtzeit, darunter sind etwa 2 370 Standorte der Berliner Verkehrsbetriebe.

Das könnte den Machern nun auch zum Verhängnis werden, denn die echten Überwachungskameras in dem Waggon haben funktioniert. Die Polizei sicherte die Video-Aufzeichnungen und wertet das Material nun aus, es laufen Ermittlungen wegen Sachbeschädigung.

Zimmer im U-Bahn-Tunnel

Erst im Januar   hatte  eine Installation unbekannter Künstler  für Aufsehen gesorgt. In dem abgelegenen Teil eines U-Bahntunnels hatten Mitarbeiter der BVG bei Routinekontrollen  ein komplett nachgebautes Zimmer im Stil der 1980er-Jahre entdeckt. Bekannt hatte sich zu der Aktion niemand.