Wer als langjähriger Pendler das Gefühl hat, dass es auf seiner Strecke voller geworden ist, kann sich durch die neuesten Fahrgastzahlen der S-Bahn Berlin GmbH bestätigt fühlen. Von 2012 bis 2018 ist die Zahl der S-Bahn-Nutzer um 21 Prozent gestiegen.

Auf manchen Verbindungen hat die Nachfrage noch stärker zugenommen – zwischen Grünbergallee und Schönefeld, wo die S45 und S9 fahren, um 85 Prozent. Alle Zähldaten zusammengenommen ergibt sich ein neuer Fahrgastrekord, den S-Bahn-Chef Peter Buchner am Dienstag stolz verkündete. „Im vergangenen Jahr gab es 478,1 Millionen Fahrgäste“, sagte er.

Auf welcher S-Bahn-Strecke ist in Berlin am meisten los?

Berlin wächst. Die Einwohnerzahl steigt, Arbeitsplätze entstehen. Es gibt mehr Pendler, die zur Arbeit, und mehr Schüler, die zum Unterricht fahren. Für die S-Bahn gibt es immer mehr zu tun. Bei der BVG stieg die Fahrgastzahl seit 2012 nicht so stark wie bei ihr – lediglich um rund 14 Prozent. Nach der Fahrgastzählung 2012 gab es bei der S-Bahn aber erst mal nur Schätzungen des Verkehrsaufkommens, und dabei hat man sich offenbar leicht verrechnet. Nach der Zählung im vergangenen Jahr gibt es wieder valide Daten.

Und jetzt lassen sich auch wieder Rekordhalter identifizieren. Zum Beispiel: Auf welcher S-Bahn-Strecke ist am meisten los? „Auf der Stadtbahn zwischen Friedrichstraße und Hackescher Markt“, war die Antwort. Dort werden die ockergelb-bordeauxroten Züge täglich im Schnitt für 230.000 Fahrten genutzt. In der Rangliste folgen der Ring zwischen Ostkreuz und Treptower Park, wo 167.000 Fahrgäste pro Tag gezählt wurden, und der Tunnelabschnitt zwischen Friedrichstraße und Brandenburger Tor (120.000 Fahrgäste).

Der Regionalverkehr ist der härteste Konkurrent der S-Bahn

Wo stiegen die Fahrgastzahlen im Vergleich zu 2012 am stärksten? „Im Zentrum fand das größte Wachstum statt“, so Buchner. Auf der östlichen Stadtbahn und auf dem östlichen Ring fielen die Zuwächse am stärksten aus. Auf einigen Umlandstrecken ging die Zahl der S-Bahn-Nutzer dagegen zurück. So sank sie zwischen Erkner und Wilhelmshagen um zwei, zwischen Hennigsdorf und Heiligensee um sieben und auf dem Teilstück Mahlow–Lichtenrade sogar um zehn Prozent.

Die Strecke nach Erkner sei ein Beispiel dafür, wie der Regionalverkehr der langsameren S-Bahn Fahrgäste abwirbt, sagte der S-Bahn-Chef. „Er ist unser härtester Konkurrent, nicht das Auto.“ Für Buchner sind die Zähldaten ein Hinweis darauf, dass man beim Netzausbau nicht nur an Strecken ins Umland denken dürfe: „Auch im Zentrum muss gebaut werden.“ Nötig seien mehr Bahnsteigkanten und dichtere Signalabstände auf der Ringbahn.

Das einstige „Rostkreuz“ in Berlin ist zu einer Station der Superlative geworden

Bei einer London-Reise hat Buchner ein Schild gesehen. Auf Englisch stand dort: „Willkommen in Clapham Junction, dem verkehrsreichsten Bahnhof in Großbritannien!“ Ein ähnliches Schild könne er sich auch am Ostkreuz vorstellen. Denn längst hat sich das einstige „Rostkreuz“, wo einst Füchse über rissiges Mosaikpflaster stromerten und das wie ein Museumsbahnhof wirkte, zu einer Station der Superlative gemausert.

Mit mehr als einer halben Million Zughalten pro Jahr ist der Knotenpunkt im Osten Friedrichshains, an dem inzwischen auch der Regional- und Fernverkehr stoppt, der verkehrsreichste Bahnhof in Deutschland. Auch in der Liste der nachfragestärksten S-Bahnhöfe in Berlin behauptet sich das Ostkreuz auf Platz 1. „Im vergangenen Jahr gab es pro Tag 235.000 Fahrgäste“, sagte Buchner. 2008 waren es gerade mal 155.000, vier Jahre später immerhin schon 204.000 Ein- und Aussteiger bei der S-Bahn. Auf den weiteren Rangplätzen folgen die S-Bahnhöfe Friedrichstraße mit 222.000 und Gesundbrunnen mit 140.000 Fahrgästen pro Tag.

Zeitplan für die neuen S-Bahn-Züge in Berlin ist „angespannt“

Mehr Fahrgäste – das bedeutet aber derzeit noch nicht: mehr Züge. Zwar wird es nach Ostern wieder Verstärkerfahrten auf der S1 und S5 geben, bekräftigte Buchner. Aber die Flotte könne erst wachsen, wenn das Konsortium Stadler/ Siemens die neuen S-Bahnen der Baureihe 483 geliefert werden.

Der Zeitplan bis zu deren Übergabe sei „angespannt“, steht im Geschäftsbericht 2018, der für das Unternehmen der bundeseigenen DB Regio ein Ergebnis von 49,4 Millionen Euro ausweist. „Bei den Zügen handelt sich um eine völlige Neukonstruktion“, erklärte Buchner.

Doch er bleibe zuversichtlich: „Am 1. Januar 2021, 4 Uhr, wird die erste neue S-Bahn auf der S47 nach Spindlersfeld fahren. Ich bin dabei.“