Berlin/SchönefeldDas kam bislang so gut wie nie vor: Eine Organisation, die sich für die Interessen der Fahrgäste einsetzt, fordert eine Verringerung des Zugangebots. Der Fahrgastverband Pro Bahn setzt sich dafür ein, den Flughafenexpress zwischen Berlin und dem BER vorerst einzustellen. Derzeit sei er „überflüssig“, teilte Peter Cornelius, Vorsitzender des Landesverbands Berlin-Brandenburg, am Freitag mit.

„Wir fordern, das Angebot sofort bis auf weiteres auszusetzen und erst dann wieder zu starten, wenn die Fluggastzahlen mindestens 50 Prozent der normalen Prognose erreicht haben“, sagte er. Derzeit liege das Passagieraufkommen in Berlin deutlich darunter. Im Oktober 2020 wurden die Berliner Flughäfen von 581.322 Passagieren genutzt, bestätigte die Flughafengesellschaft FBB. Die Zahl liegt um fast 82 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

Nachdem das Aufkommen im Sommer wieder angestiegen war, ist es derzeit erneut im Sinkflug – wie generell in der Luftfahrtbranche. „Im Vergleich zum September gingen die Passagierzahlen noch einmal um 16,2 Prozent zurück“, so die FBB. Einer der Gründe für den Rückgang sind die europaweit weiter steigenden Infektionszahlen und die daraus resultieren Lockdowns, durch die der Reiseverkehr weiter eingeschränkt wird.

Das wirkt sich auch auf den Flughafen-Express der Deutschen Bahn (DB), kurz FEX, aus. In den Zügen mit jeweils vier Doppelstockwagen, die seit dem Morgen des 31. Oktober im Halbstundentakt zwischen Berlin und dem unterirdischen Bahnhof Flughafen BER Terminal 1–2 verkehren, verlieren sich meist nur wenige Fahrgäste. „Der Flughafenexpress verbindet nur die drei Berliner Bahnhöfe Hauptbahnhof, Gesundbrunnen und Ostkreuz mit dem BER“, so Pro Bahn. Für den Verkehr innerhalb der Stadt oder für Pendler, die nicht am Flughafen arbeiten, habe er fast keine Bedeutung.

Laut Plan in nur 15 Minuten vom Ostkreuz zum neuen Hauptstadt-Airport

Auch das übrige Schienenverkehrsangebot zwischen Berlin und dem neuen Schönefelder Flughafen, die S-Bahn-Linien S45 und S9, die Regionalverkehrslinien RE7 und RB14 sowie die Intercity-Linie 17, werde auf absehbare Zeit nur von wenigen Fluggästen genutzt. Diese Züge erfüllten aber noch andere Funktionen, so Pro Bahn.

„Der Nahverkehr braucht Unterstützung in der Krise – muss aber bei sinnlosen Angeboten sparen“, sagte Peter Cornelius. „Angebote für Pendler müssen aufrechterhalten bleiben. Ein Zusatzangebot exklusiv für einen leeren Flughafen ist in der Krise absolut überflüssig.“ Wer in diesen Zeiten wirklich verreisen müsse, habe mit Quarantäne, Testmöglichkeiten und Beherbergungsverboten zu kämpfen. Der Weg zum Flughafen wäre da noch das geringste Problem, so der Pro-Bahn-Landesvorsitzende. „Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg muss sich schon fragen lassen, wieso die Werbung nicht längst gestoppt wurde. Dass der Flughafen derzeit kaum genutzt wird, ist seit Monaten bekannt. Schade um das Geld!“

Der FEX ist Teil des Regionalzugverkehrs, für den der Bund Mittel bereitstellt, die von den Bundesländern auf der Basis von Verkehrsverträgen an die Zugbetreiber weitergeleitet werden, in diesem Fall an die Deutsche Bahn. Eine Fahrt zwischen der Innenstadt von Berlin und dem BER kostet 3,60 Euro – so viel wie in den anderen Nahverkehrsmitteln auf dieser Relation. Laut Fahrplan dauert die Tour vom Hauptbahnhof zum BER je nach Abfahrtszeit 30 oder 31 Minuten. Von Gesundbrunnen sind es 25, von Ostkreuz 15 Minuten. Allerdings gibt es immer wieder Verspätungen.