Berlin - Sie war 1838  die erste Eisenbahn in Preußen – deshalb heißt sie Stammbahn. Doch seit Jahrzehnten liegen große Teile der ältesten Strecke zwischen Berlin und Potsdam brach. Derzeit wird geprüft, ob dort wieder Züge fahren sollen – ein Ergebnis wird aber erst in einigen Monaten bekanntgegeben. Der Fahrgastverband IGEB nutzt die Zeit, um die Diskussion wieder in Schwung zu bringen. Er fordert, ein Teilstück  rasch wieder in Betrieb zu nehmen – für den Regionalverkehr. Steglitz soll einen Regionalbahnhof bekommen.

Unter dem Hochhaus Steglitzer Kreisel, in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn-Linie U 9, zur S-Bahn-Linie S 1 und zu vielen Buslinien,  könnte die neue Endstation der Linie RB 33 entstehen. Heute enden die Dieseltriebwagen aus Jüterbog, Treuenbrietzen und Beelitz in Wannsee. Künftig sollen sie nach Steglitz weiterfahren, wo ein provisorischer Bahnsteig nötig wäre. 

Entlastung für die Straßen

„Das neue Angebot hätte große  Vorteile“, sagte der  IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe. „Für den  wachsenden Verkehr zwischen Berlin und Potsdam-Mittelmark gäbe es ein zusätzliches Angebot. Die Fahrgastzahlen würden steigen – jeder Brandenburger, der mit dem Zug kommt statt mit dem Auto, entlastet die Straßen.“ Vor allem aber gäbe es  ein klares Signal für die Stammbahn und deren Wiederinbetriebnahme. Tschepe: „Es gibt kaum ein Regionalzugangebot, das so schnell, so preiswert und mit so viel Nutzen für die Fahrgäste realisiert werden kann.“

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn, stimmt zu. Der Aufwand wäre gering, sagte er. Bis Lichterfelde West gebe es bereits ein betriebsfähiges Gleis. Heute rollen dort   Güterzüge, die zwischen den Ford-Werken Köln und einem Zulieferer an der Berliner Goerzallee  pendeln.

Das Land müsste den Zugverkehr  bestellen. Zwar werde  derzeit  untersucht, ob über die Wannsee- und die Stammbahn Regionalzüge fahren sollen, sagte Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD).  Doch dabei gehe es um elektrische Züge. „Ein Dieselbetrieb wird nicht untersucht, weil er auch aus umweltpolitischen Gründen problematisch ist.“

Prüfung der Strecke Spandau – Falkensee

Auch andere Streckenkorridore von Berlin ins Umland werden geprüft, etwa Spandau – Falkensee, wo  das Für und Wider einer S-Bahn  heftig diskutiert wird.  Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen, sagte Steffen Streu, Sprecher der Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). „Danach wird geprüft, welche Linien ausgebaut oder eingeschränkt werden.“ Spätestens Anfang 2017 soll klar sein, wo gebaut wird.  Die Stammbahn, so ist zu hören, hat nicht die oberste Priorität.