Bei Grünheide östlich von Berlin will der US-Elektroautohersteller bald das Model Y und das Model 3 produzieren. Schon in der ersten Ausbaustufe rechnet das Land Brandenburg mit rund 3000 Arbeitsplätzen, langfristig sogar mit 10000. 
dpa

Berlin/PotsdamSollte die geplante Tesla-Fabrik bei Berlin ans S-Bahn-Netz angeschlossen werden? Das werde nicht nötig sein, hieß es vor den Beratungen, die für diesen Donnerstag im Brandenburger Landtag anstehen. Während der Sitzung, die um 13.30 Uhr in Potsdam beginnt, will der Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung unter anderem über „konkrete Planungen und Umsetzungsschritte zur Entwicklung der Infrastruktur“ im Nahverkehr sprechen.

„Aus meiner Sicht ist eine schnelle und pragmatische Lösung notwendig. Schließlich soll Tesla in Grünheide schon 2021 mit der Produktion beginnen“, sagte der frühere Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) der Berliner Zeitung.  

„Eine gut getaktete Buslinie, die am Bahnhof Erkner beginnt und endet, wäre eine günstige Art der Verkehrserschließung, die rasch geschaffen werden könnte“, gab Dellmann zu bedenken.

Eine Verlängerung der S-Bahn über ihren jetzigen Endpunkt in Erkner hinaus hielte er nicht für sinnvoll und notwendig. „Das läge nicht nur daran, dass ihr Bau in Erkner kompliziert wäre. Dort endet die S3 in einem Kopfbahnhof, einer Weiterführung stünde das Empfangsgebäude im Wege. Eine S-Bahn-Verlängerung wäre auch vom Nutzen-Kosten-Verhältnis her nicht vertretbar, weil die Zahl der Fahrgäste nicht ausreichen würde.“

Keine Durchfahrt für öffentliche Busse

Allerdings müssten auch im Fall einer Buslinie Fragen beantwortet werden. „Werksbusse dürften auf das Tesla-Gelände fahren", so der frühere Regierungspolitiker. "Für öffentliche Busse bliebe es höchstwahrscheinlich geschlossen. Deshalb könnte eine öffentliche Buslinie das Gelände nur außen erschließen.“

Auf jeden Fall geht der frühere Minister davon aus, dass viele Beschäftigte mit dem Auto kommen werden. "Die Planungen sehen zahlreiche Parkplätze auf dem Gelände vor", sagte Reinhold Dellmann. "Außerdem ist es in der Autoindustrie in der Regel so, dass die Mitarbeiter Preisnachlässe bekommen, um Fahrzeuge aus ihrem Unternehmen zu günstigen Konditionen kaufen zu können. Sicherlich werden viele Beschäftigte mit dem eigenen Tesla zur Arbeit kommen.“

Das Verkehrsaufkommen werde „überbewertet“, hieß es beim Berliner Fahrgastverband IGEB. Die Beschäftigten würden aus vielen Richtungen zum Werk Grünheide pendeln. Zudem würde die S-Bahn nur einen sehr kleinen Teil des Geländes erschließen, weil sie im Norden peripher verläuft. Fazit des Verbands: "Die Forderung nach einer S-Bahn-Verlängerung ist nicht weitsichtig, sondern unsinnig."

Das richtet sich gegen Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Der SPD-Politiker hält die Verkehrsanbindung fürs Erste ebenfalls für ausreichend, möchte aber für die Zukunft mit dem Land Berlin über eine Fortführung der heutigen Linie S3 sprechen.

Infrastrukturminister Beermann setzt auf die Schiene 

Doch auch beim Deutschen  Bahnkunden-Verband (DBV)  Nordostdeutschland sieht man das skeptisch. Zu erwarten sei, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigte mit dem Auto zur Tesla-Fabrik nach Grünheide fahren werden, pflichtete Landesvorstand Michael Wedel bei. „Darum ist es nach unserer Meinung nicht nötig, die S-Bahn nach Osten zu verlängern. Als viel problematischer sehen wir, dass pro Tag bis zu 450 Lastwagen zum Tesla-Gelände oder von dort wegfahren sollen“, warnte Wedel. „Das halten wir für sehr umweltschädlich und nicht für vertretbar.“

Wie die Logistik organisiert wird, hält auch Jochen Brückmann von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin für eine interessante Frage. Wie viele andere Unternehmen könnte der US-Elektroautohersteller in Grünheide auf das Prinzip "Just in Time" setzen, bei dem zum Teil auf Lagerhaltung verzichtet wird und Teile bei Bedarf per Lkw geliefert werden. Brückmann erwartet für die Autobahnen A10 und A12 zusätzlichen Verkehr.  

"Rückgrat sowohl für den Gütertransport als auch für die Mobilität der Beschäftigten bildet die Schiene", teilte das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung am Donnerstag mit. "Die konkreten Anforderungen an die verkehrliche Erschließung und Erreichbarkeit des künftigen Betriebsgeländes für die erste Ausbaustufe von Tesla werden zurzeit gemeinsam mit dem Investor und den zuständigen Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern in entsprechenden Arbeitsgruppen geklärt."

Mit der Autobahn 10 und der Landesstraße 38 sei das Tesla-Gelände auch straßenseitig gut erschlossen, hieß es in der Verwaltung von Minister Guido Beermann (CDU) weiter. "Die notwendigen Erweiterungen insbesondere der Anschlussstellen werden zurzeit in einer Machbarkeitsuntersuchung im Auftrag des Landesbetriebs Straßenwesen untersucht."