Berlin - Erst die gute Nachricht: Auf den Ringlinien S41 und S42 fahren künftig mehr S-Bahnen. Montags bis freitags wird der Fünf-Minuten-Takt verlängert, kündigte S-Bahn-Chef Peter Buchner an. „Er gilt künftig am Vormittag bis 11 Uhr und am Abend bis 21 Uhr.“ Dies tritt zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember in Kraft. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht: Nun wird auf dem Ring erst einmal wieder gebaut. Nicht weniger als vier Wochen lang werden im Norden alle S-Bahnzüge durch Busse ersetzt. Beim Sprechtag für S-Bahngäste während der Schienenverkehrswochen gab Buchner einen Überblick darüber, womit Fahrgäste rechnen müssen.

Ringbahn gesperrt

Am Abend des 29. September springen die Signale auf Rot. Zunächst wird der Ring zwischen Gesundbrunnen und Beusselstraße gesperrt, später wird die Unterbrechung erweitert. „Dann gibt es bis Westend Schienenersatzverkehr“, sagte Detlef Speier, Chef der Fahrgastinformation bei der S-Bahn. In der Ringstrecke klafft eine Lücke – kein Wunder, dass den Fahrgästen empfohlen wird, andere S-Bahn-Linien oder die U-Bahn zu nutzen. Wer zum Flughafen Tegel will, muss sich ebenfalls umstellen. Anlass der Unterbrechung ist, dass die neue Nord-Süd-S-Bahn S21 angeschlossen wird. Dort werden aber wohl erst 2020 S-Bahnen vom Nordring zum Hauptbahnhof verkehren.

Keine Züge nach Karow

Auch im Nordosten wird gebaut – mal wieder. Erneut geht es um das Karower Kreuz, der Knotenpunkt entsteht neu. „Vom 30. Oktober bis 13. Dezember sind die S2 und die S8 unterbrochen“, sagte Speier. Weil bei früheren Sperrungen die Ersatzbusse in Stau steckenblieben, wurden Routen und Konzepte geändert. „Zwischen Pankow und Karow wird es zwei Linien geben – eine Expresslinie, die über die Autobahn führt, und eine Lokallinie“, sagte Speier. Anwohnerin Elke Kadgien überreichte dem S-Bahner trotzdem eine lange Wunschliste – für bessere Informationen, beleuchtete Wege, Koordination mit der BVG. Sie ärgert sich darüber, dass die S2 so oft unterbrochen wird. „Nun müssen die Fahrgäste wieder bei Regen, Eis und Schnee auf Busse warten.“

S9 fährt wieder ins Zentrum

Auch am Ostkreuz wird gebaut – unter anderem an der neuen Südkurve, auf der S-Bahnen aus Richtung Treptower Park zur Warschauer Straße fahren können. Davon werden die Fahrgäste bald profitieren, denn vom Fahrplanwechsel am 10. Dezember an wird die S 9 die Südkurve befahren. Im 20-Minuten-Takt geht es von Schönefeld über Adlershof, Schöneweide und Baumschulenweg ins Zentrum und nach Spandau – wie bis 2009, allerdings künftig ohne Halt am Ostkreuz. Derzeit rollen die Züge der S9 über das Ostkreuz hinaus bis Pankow. Wenn Sie am zweiten Advent auf ihre frühere Route zurückkehrt, hinterlässt sie auf dem stark genutzten Ostring eine Lücke, die nicht geschlossen wird. Pankow, Prenzlauer Berg und Teile Friedrichshains verlieren zudem ihre Direktverbindung nach Schönefeld. Die S85 aus Grünau, die heute in Waidmannslust endet, fährt ab Dezember nach Pankow.

S75 wird verkürzt

Die S-Bahnlinie aus Wartenberg wird weiter gestutzt. Einst führte sie zum Westkreuz, heute zum Ostbahnhof – und nach dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember nur noch bis Ostkreuz. Sie muss Platz machen für die S9. Das sei nach der Zahl der Fahrgäste entschieden worden – „auf der S75 gibt es nun mal in Größenordnungen weniger Fahrgäste als auf der S3 oder S9“, erklärte der S-Bahn-Chef. Theoretisch wäre es möglich, dass die Linie ab November 2018 wieder ins Zentrum führt. Trotzdem müsse sie so bleiben, wie sie ist – Wagen fehlen. „Wir werden abgehängt“, klagte ein Bewohner des Ostseeviertels Hohenschönhausen. Buchner machte ihm keine Hoffnungen.

Mehr Züge im Tunnel und anderswo

Derzeit endet jede zweite S-Bahn, die in Teltow Stadt abfährt, am Potsdamer Platz. Nach dem Fahrplanwechsel werden diese Züge montags bis freitags weiterfahren, nach Waidmannslust. Dank der neuen Linie S26 wird es im Nord-Süd-Tunnel mehr Fahrten geben. „Die Lücke im Fünf-Minuten-Takt kann geschlossen werden“, freute sich Buchner. Mehr Züge gibt es ab Dezember auch auf der S1 und S2: Am Wochenende wird der Zehn-Minuten-Takt bis 23 Uhr verlängert.

Probleme mit der Pünktlichkeit

„Das Jahr ging gut los“, erinnert sich der S-Bahn-Chef. Doch dann nahm der Anteil der Fahrten, die als pünktlich registriert wurden, wieder ab. „Im Mai sind wir mit den Pünktlichkeitswerten total eingebrochen“, so Buchner. Nach den Kriterien des Verkehrsvertrags, den die S-Bahn mit Berlin und Brandenburg geschlossen hat, galten im Juni 91,84 Prozent der Fahrten als pünktlich. „Da ist nach wie vor Luft nach oben“, hieß es. Der Verkehrsvertrag fordert eine Quote von 96 Prozent.

Mehr Service in Schönefeld

Die DB hat schon investiert im Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld. Im Tunnel zu den Bahnsteigen wurden weitere Fahrkartenautomaten aufgestellt, „Guides“ helfen den Touristen, mit ihnen zurechtzukommen. Trotzdem gibt es immer noch Wartezeiten. „Nun sollen im Tunnel Container für den Fahrkartenverkauf aufgestellt werden“, sagte Buchner. Dafür sei eine Baugenehmigung nötig, auch Brandschutz – wie beim BER. Kein einfaches Projekt, so der S-Bahner. „Doch wir hoffen, dass der Container im Oktober fertig ist.“