Kommt er? Oder kommt er nicht? Und wann wird der Zug am Ziel eintreffen? Weiterhin gleichen Reisen mit der Deutschen Bahn (DB) einem Glücksspiel. Auch am Dienstag kämpfte das Bundesunternehmen mit Problemen im Fernverkehr. Das nervte Reisende und Bahnmitarbeiter, die deren Ärger abbekamen, gleichermaßen.

Ein Eisenbahner brachte es auf den Punkt. „Die Plage geht weiter“, sagte er. So traf es am Morgen erneut die Reisenden, die mit dem ICE 701 um 7.38 Uhr von Berlin über die neue Schnellfahrstrecke nach München fahren wollte. Wie schon am Montag fiel der Zug aus, Ersatz war nicht verfügbar.

„Fahrt fällt aus“ 

Grund war eine technische Störung am Zug, sagte eine Sprecherin. Der ICE habe schon aus Hamburg nicht losfahren können. Andere Züge zwischen Berlin und München verkehrten zum Teil mit erheblichen Verspätungen. So verließ ICE 1506 München um 15.55 Uhr mit einer Stunde Verspätung. Grund war hier die „verspätete Bereitstellung“, wie die Reisenden auf www.bahn.de lesen konnten.

Weil nach den Pannen auf der am Sonntag eröffneten Schnellfahrstrecke in Thüringen und Franken mittlerweile der gesamte Fernverkehr der Bahn unter Beobachtung steht, geraten auch andere Strecken ins Blickfeld. So hieß es am Dienstagmorgen für ICE 694, der von Stuttgart nach Berlin fahren sollte: „Fahrt fällt aus.“

Gravierende Probleme wurden auch für ICE 696 gemeldet, der von Frankfurt am Main nach Berlin fahren sollte. Zunächst hielt er erst mehr als 40 Minuten nach der geplanten Abfahrt am Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof. Grund: „verspätete Bereitstellung, falsche Schichtbestellung für Lokführer“. Und dann fuhr er nicht los. Um 7.35 Uhr hieß es: „technische Störung an der Strecke“. Danach hieß es: „Ausfall wegen ETCS-Störung“, Reisende mussten in andere Züge steigen.

Neue Technik kaum getestet

Die Abkürzung ETCS steht für European Train Control System – das neue europäische Zugbeeinflussungssystem, bei dem sich Zug, Strecke und Stellwerke nur mit Funk verständigen.

Die Technik sorgt immer wieder für Probleme. Weil ETCS-Komponenten an einigen Zügen nicht ordnungsgemäß funktionierten, mussten die betroffenen ICE um die neue Schnellfahrstrecke herumgeleitet werden. Dort ist nur ETCS installiert, und zwar eine neue Version. Andere Sicherungstechnik gibt es auf der drei Milliarden Euro teuren Neubautrasse leider nicht.

Ein Bahn-Insider berichtete, dass zu wenige Züge mit ETCS ausgerüstet seien – und diese Züge nicht ausreichend erprobt wurden. „Vom ICE 1 gibt es derzeit 58 Garnituren. Davon sind gerade mal 30 mit dem System ausgerüstet, und davon wurden nur drei Züge auf der Neubaustrecke getestet“, sagte ein Insider. „Die Fahrgäste müssen jetzt erleben, dass das nicht ausreichte.“